„Ich empfehle, nicht permanent Nachrichten über Infiziertenzahlen zu verfolgen“


Christoph Unger ist Deutschlands oberster Bevölkerungsschützer. Er rät davon ab, bereits einen Zeitpunkt für ein Ende des Ausnahmezustandes festzulegen: Man wisse einfach nicht, wie sich das Virus verhält. Die Debatte über eine Normalisierung hält er dennoch für nötig.

Claudia Ehrenstein | WELT

Seit 2004 ist der Jurist Christoph Unger Präsident des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Die dem Bundesinnenministerium nachgeordnete Behörde unterstützt die Länder in Katastrophenlagen und koordiniert unter anderem die Information der Bevölkerung.

WELT: Herr Unger, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat kürzlich von der „Ruhe vor dem Sturm“ gesprochen: Der Höhepunkt der Corona-Krise stehe in Deutschland noch bevor. Teilen Sie diese Einschätzung?

Christoph Unger: Tatsache ist: Wir wissen nicht, wie lange die Corona-Krise noch dauert und auf welche Folgen wir uns einstellen müssen. Nach einer Katastrophe wie einem Flugzeugabsturz oder einem Hochwasser wissen die Rettungskräfte in der Regel, was zu tun ist und was auf sie zukommt. Jetzt haben wir eine völlig andere Lage, als wir uns das bisher vorgestellt haben. Aber alle arbeiten mit Hochdruck und sehr konzentriert.

WELT: In der Politik wird bereits über eine „Exit-Strategie“ aus dem Ausnahmezustand diskutiert. Ist das der richtige Zeitpunkt?

Unger: Wegen der vielen Ungewissheiten scheint es zu früh, jetzt schon über einen konkreten Zeitpunkt für eine Lockerung der Ausgangsbeschränkungen nachzudenken. Um eine Diskussion, wie das Alltagsleben in den kommenden Monaten trotz der Pandemie wieder normalisiert werden kann, kommen wir aber nicht herum. Im Gegenteil: Wir müssen natürlich über das weitere Geschehen nachdenken, um damit auch „vor die Lage“ zu kommen.

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