Tödlicher Ölkäfer ist „Insekt des Jahres“


Das Gift eines einzigen Exemplars des Schwarzblauen Ölkäfers reicht aus, um einen erwachsenen Menschen zu töten

Susanne Strnadl | DERSTANDARD

Richtig giftige Tiere sind in unseren Breiten selten. Ein paar gibt es aber doch, zum Beispiel den Schwarzblauen Ölkäfer (Meloe proscarabaeus), das „Insekt des Jahres“ 2020. Ein einziges Exemplar enthält genügend Gift, um einen Menschen zu töten.

Auffällig sind vor allem die Weibchen der Art, denn ihr Hinterleib schwillt massiv an, wenn sie Eier produzieren. Die Tiere werden dann 30 bis 35 Millimeter lang – die Männchen hingegen bringen es nur knapp auf zehn Millimeter. Beide Geschlechter haben verkürzte Flügeldecken und sind flugunfähig. Ihre von Kopf bis Fuß schwarzblaue Färbung hat ihnen den ersten Teil ihres Namens eingetragen.

Aus dem Knie geschossen

Der Name „Ölkäfer“ hingegen bezieht sich auf die Verteidigungsstrategie der Tiere: In Mitteleuropa gibt es rund 20 Ölkäfer-Arten, und sie alle geben bei Beunruhigung aus ihren Kniegelenken eine ölige Substanz ab, die das Gift Cantharidin enthält. Nur wenige Milligramm davon genügen, um einen erwachsenen Menschen zu töten.

Dementsprechend wurden Ölkäfer beziehungsweise das in ihnen enthaltene Cantharidin im Lauf der Jahrhunderte auf vielfache Weise verwendet: so etwa im antiken Griechenland neben dem Schierlingsbecher für Hinrichtungen oder in der Renaissance für die Giftmorde der Familie Borgia. Die Spanische Fliege, ein schillernd grüner Ölkäfer, erreichte in diesem Zusammenhang eine gewisse Berühmtheit.

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Der Schwarzblaue Ölkäfer (Meloe proscarabaeus) fand lange Zeit in der Volksmedizin Anwendung. So kam er etwa in potenzsteigernden Tränken zum Einsatz, jedoch mit fatalen Nebenwirkungen.
Foto: APA / Naturschutzbund / Robert Hofrichter