Das Geldsystem ist nicht das Problem


Kaum ein Thema verschwendet so viel „APO-Energie“ wie die Geldsystemkritik. Ein kurzer Überblick über die wichtigsten Gründe, von diesem toten Pferd abzusteigen

Jörg Gastmann | TELEPOLIS

Dass die außerparlamentarische Opposition (APO) in Deutschland so wenig erreicht, liegt vor allem an ihrer Zerstrittenheit. Wer einen Wechsel unseres Wirtschaftssystems wünscht, sollte mit der Sherlock-Holmes-Methode alles ausschließen, was das adressierte Problem nicht löst, nicht umsetzbar ist oder nicht mehrheitsfähig ist. Unter den übrig gebliebenen Alternativen muss dann die Lösung sein – sofern es eine gibt.

„Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab.“ (Den Dakota Indianern zugeschriebene Weisheit)

Zu simple Überlegungen, falsche Schlussfolgerungen

Die Schere zwischen Arm und Reich reißt systembedingt immer weiter auseinander. Wird dieses Problem nicht gelöst, ist der gesellschaftliche und ökonomische Kollaps unausweichlich. Immer mehr Menschen wenden sich von der Simulation einer Demokratie ab, was in der Geschichte stets zu politischen/gesellschaftlichen Katastrophen führte.

Geldsystemkritiker glauben, die Ursache dafür im Geldsystem gefunden zu haben. Wenn man in einer Analogie Geld durch Wasser ersetzt, würden Geldsystemkritiker behaupten: Dass eine kleine Minderheit der Menschen eigene Süßwasserseen besitzt, während Milliarden Menschen durstig sind oder gar verdursten, liegt an den Eigenschaften und Quellen von Wasser. Deshalb dürfe Wasser nur aus einer einzigen, zentralen Quelle kommen, und das Problem sei gelöst.

Unter den Geldsystemkritikern gibt es verschiedene Lager: Viele fordern eine Golddeckung. Die meisten fordern als zentrale Quelle allen Geldes eine Zentralbank, wobei die einen deren politisch unabhängige Führung fordern, und die anderen das genaue Gegenteil, nämlich die Weisungsgebundenheit unter der demokratischen Kontrolle eines Parlaments.

Damit ignorieren sie die tatsächliche Ursache des Auseinanderreißens der Schere zwischen Arm und Reich: Die permanente Umverteilung von Arm nach Reich durch unterschiedliche Arten von Profiten, vor allem von Konsumenten an Kapitaleigentümer. Wobei Kapitaleigentümer immer größere und sinnlosere Vermögen anhäufen, die sie niemals konsumieren können. Kreditzinsen sind die unwichtigste Art der Umverteilung durch Profite, und gerade in Zeiten der Niedrigzinsen vernachlässigbar. „Schuldgeld“ ist kein Problem, sondern ein Hoax, wie wir in Teil 2 sehen werden.

Geld, Tausch und Star Trek

Viele Geldsystemkritiker werden so wütend wie religiöse Menschen, wenn man ihren Glauben durch Fakten und Logik infrage stellt. Wer sich mit dem Geldsystem beschäftigt, muss daher zunächst die Definition der drei Eigenschaften von Geld anerkennen: Geld ist ein Tauschmittel, das auch zur Wertaufbewahrung und als Preismaßstab dient.

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