Amerikas Abtreibungsgegner nutzen die Corona-Krise aus


Die Corona-Pandemie hat die USA in eine tiefe Krise gestürzt – doch das bedeutet nicht, dass die alten politischen Debatten vergessen wären. Mit scheinheiligen Argumenten versuchen Abtreibungsgegner politisch zu punkten.

Marie-Astrid Langer | Neue Zürcher Zeitung

Vor Mississippis einziger Abtreibungsklinik gibt es eine Klinik-Eskorte, da täglich Anti-Abtreibungs-Proteste vor dem Gebäude stattfinden. Rogelio V. Solis / AP

Die USA haben inzwischen höhere Fallzahlen zur Corona-Pandemie als China, das Land befindet sich in der tiefsten Krise seit zehn Jahren – doch das bedeutet nicht, dass die politischen Fehden vergessen wären. Besonders stark tobt die Abtreibungsdebatte: Die konservativen Gouverneure von Ohio, Texas, Louisiana und Mississippi haben den Corona-Ausnahmezustand als Chance ergriffen und Schwangerschaftsabbrüche vorübergehend ganz verboten, ausser, das Leben der Mutter ist in Gefahr. In Texas drohen bei Verstössen 180 Tage Gefängnis.

Nach aussen versuchen die Gliedstaaten den Entscheid damit zu rechtfertigen, dass es zu wenig Schutzkleidung für Spitalpersonal gebe und optionale medizinische Eingriffe verschoben werden müssten. Nun zählen Abtreibungen jedoch nicht zu den Eingriffen, die sich problemlos für ein paar Monate aufschieben lassen – im Gegenteil, mit jeder Woche werden sie schwieriger durchzuführen. Auch dürfte ein Abtreibungsstopp kaum den Mangel an medizinischer Schutzkleidung lösen, in Mississippi etwa gibt es noch eine einzige Abtreibungsklinik. Hinter der scheinheiligen Argumentation steckt vielmehr ein weiterer Versuch, Schwangerschaftsabbrüche zu unterbinden. Mississippi und Ohio etwa hatten vergangenes Jahr versucht, mit «Herzschlag-Gesetzen» Abtreibungen bereits ab der sechsten Woche zu verbieten.

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