Die missachtete Risiko-Studie zur Pandemie


Der Bericht wurde nicht ernstgenommen, im eingetretenen Risikofall steht die Bundesrepublik nackt und die Ärzte unversorgt im Dilemma

Peter Grassmann | TELEPOLIS

Die Neue Züricher Zeitung wies vor gut einer Woche darauf hin, dass 2012 eine Risiko-Studie des Bundesamts für Bevölkerungsschutz zur Pandemie vom Typ Corona-Virus erschien, die einen erstaunlich ähnlichen Ablauf zur aktuellen Situation beschreibt. Das lässt aufhorchen, denn kurz zuvor hatten BR24 und das Recherchenetzwerk Correctiv in regierungsfreundlicher Art dementiert, dass diese Analyse vergleichbar wäre. Sie habe einen wesentlich krasseren Verlauf als aktuell dargestellt und deshalb sei ein Vergleich mit der jetzigen Pandemie „Desinformation“.

Eine ziemlich wilde Interpretation. Denn der dargestellte Verlauf und die (nicht beachteten) Ratschläge passen genau auf die aktuelle Situation. Der Erreger wird dort von dem bekannten SARS-Typ unterschieden und als Corona-Virus bezeichnet. Zwar ist richtig, dass diese Studie mit einer Inkubationszeit von nur drei Tagen und einem Intensivpflegebedarf von 30 % mathematisch horrende Zahlen hervorbrachte – 8 Millionen Tote beispielsweise. Die jetzige Pandemie hat Inkubationszeiten von zehn Tagen und einen Intensivpflegebedarf von ca. 3% Prozent, aber alles Andere entspricht genau dem aktuellen Ablauf.

Im Übrigen liegt es im Charakter einer „Risiko-Analyse“, dass sie nicht absolut wörtlich zu nehmen ist, sondern Szenarien zeigt, um die das Ausmaß der Gefahr variieren kann. Die vom gleichen Bundesamt analysierten Katastrophen „Wintersturm“ und „Sturmflut“ werden auch nicht mit genau der gleichen Windgeschwindigkeit oder Sprungfluthöhe auftreten. Es ist zweifelsfrei, die genannte Analyse beschreibt Risiken und Handlungsoptionen einer Corona-Pandemie.

Nur die ausländische Presse berichtet

Der österreichische Standard hat nun vor einigen Tagen diese weitgehende Ähnlichkeit der damaligen Analyse mit der aktuellen Situation genauer vertieft. Bedrückend, dass erneut eine ausländische Zeitung in die Analyse des Berichts einsteigt und zeigt, dass sie eine deutliche Warnung war, die aber völlig negiert wurde.

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