Corona-Sperre für Erntehelfer: «Ohne Ausländer funktioniert unsere ganze Gesellschaft nicht mehr», klagt ein Spargelbauer


Über systemrelevante Spargelstecher und drohende Nahrungsmittelknappheit: 300 000 Saisonarbeitskräfte braucht die deutsche Landwirtschaft pro Jahr. Nur ein Bruchteil davon ist bisher ins Land gelangt. Ein Besuch im brandenburgischen Beelitz.

Christoph Prantner | Neue Zürcher Zeitung

Saisonarbeiter ernten Spargeln auf einem Feld bei Beelitz bei Berlin. Jens Schlüter / EPA

Draussen weht ein eisiger Wind über die sandigen Äcker der Mittelmark. Minus 9 Grad hatte es in der Nacht, alles ist steif gefroren. Drinnen brennt an diesem Morgen bereits die Luft. Ernst-August Winkelmann sitzt in seiner Kaffeeküche und treibt seine Mitarbeiter an. 30 000 Liter Desinfektionsmittel haben sie in Polen besorgt und nach Brandenburg geschafft. Sie lächeln zufrieden. In Zeiten wie diesen ist das ein Coup, der schwieriger zu landen ist als der perfekte Bankraub. Dem Chef ist das dennoch zu wenig: «Das reicht nicht. Wir brauchen mehr!», sagt er.

Wir brauchen mehr. Der Satz klingt wie ein Motto, das sich Tausende Bauernhöfe in Deutschland derzeit ungewollt teilen. Denn vor exakt einer Woche hat ein Sprecher des Bundesministeriums des Inneren in nüchternem Amtsdeutsch Folgendes verlautet: «Saisonarbeitskräften und Erntehelfern wird die Einreise nach Deutschland im Rahmen der bestehenden Grenzkontrollen ab heute, 25. 3. 2020, 17 Uhr, nicht mehr gestattet.»

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