Sagittarius A*: Das Schwarze Loch regt sich


Das Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxis war bislang friedlich. Doch es gibt Anzeichen, dass der Appetit des Masse-Kolosses auf Materie zugenommen hat. Die Deutung der jüngsten Beobachtungen ist allerdings noch umstritten.

Jan Hattenbach | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Kein künstliches Licht trübt den Blick auf die Milchstraße im Nationalpark Grasslands in der kanadischen Provinz Saskatchewan. Bild: Imago

Wie in allen großen Galaxien verbirgt sich auch im Zentrum der Milchstraße ein supermassereiches Schwarzes Loch. Im intergalaktischen Vergleich ist es ein schlafender Riese: Nur selten hat es Appetit auf Sterne, Gaswolken und Asteroiden, entsprechend wenig Strahlung empfangen Astronomen aus seiner Umgebung. Seit ein paar Jahren scheint sich das zumindest ein wenig zu ändern, wie Emmanuelle Mossoux von der Universität Lüttich und ihre Kollegen aus Belgien und Frankreich in einem in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ erscheinenden Aufsatz berichten . Im Röntgenlicht hat die Aktivität des vier Millionen Sonnenmassen schweren Kolosses eindeutig zugenommen.

Mossoux und ihr Team verwendeten Archivdaten dreier im Weltall stationierter Röntgenteleskope, der amerikanischen Satelliten Chandra und Swift sowie des europäischen XMM Newton, um die Veränderung der Röntgenaktivität der Quelle Namens Sagittarius A* (sprich „A-Stern“) im Sternbild Schütze zu untersuchen. Genau an dieser Quelle, rund 26.000 Lichtjahre von der Erde entfernt, befindet sich das zentrale Schwarze Loch der Milchstraße. Zwar sendet es selbst kein Licht aus, doch Astronomen beobachten, wie es Sterne und Wasserstoffwolken durch seine Gravitationskraft auf enge Umlaufbahnen zwingt. Kommt ihm ein Himmelskörper zu nahe, wird er durch die extremen Gezeitenkräfte zerrissen und stürzt auf Nimmerwiedersehen in den Gravitationsschlund des Schwarzen Lochs – nicht ohne dabei einen letzten Todesschrei in Form elektromagnetischer Strahlung auszusenden.

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