Der chronische Wahnsinn der Briten


Die britische Regierung mag im Umgang mit Corona leichtsinnig und zynisch sein. Vor allem aber offenbart sie eine Politik der Verdrängung und der Beschönigung, die schon den BSE-Skandal prägte und die Boris Johnson mit flotten Sprüchen verteidigte.

Peter Littger | ntv

Noch immer hält sich die Überzeugung, dass das Coronavirus im schlimmsten Fall nur die Alten und Schwachen trifft. (Foto: imago images/UPI Photo)

Hunderttausende Briten haben auch am vergangenen Wochenende wieder die Parks und die Strände ihrer Inseln bevölkert und sind sich damit entgegen allen Warnungen nähergekommen, als die Polizei erlaubt. Unklar ist, ob dieser Form der kollektiven Renitenz dieselbe Selbstüberschätzung zugrunde liegt, mit der das Königreich am 31. Januar „die Freiheit“ von der EU erklärt hatte. Fest steht: Der Brexit, mit dem die Briten in den vergangenen Jahren den Rest Europas auf Trab hielten, war wenigstens auch unterhaltsam. Der britische Umgang mit dem Coronavirus erscheint hingegen alles andere als lustig. Vielmehr könnte er sich schon bald im Innern der Gesellschaft als dramatisch selbstzerstörerisch entpuppen.

Selbstverständlich gibt es Gründe, warum im Vereinigten Königreich eine gewisse Überheblichkeit entstanden ist. Da sind zunächst die offiziellen, relativ niedrigen britischen Infektionszahlen. Leicht können sie dem einen oder anderen Briten suggerieren, resistenter zu sein als die gemeinen Kontinentaleuropäer. Tatsächlich muss allerdings damit gerechnet werden, dass die Dunkelziffer sehr groß ist, weil schlicht nicht ausreichend Menschen getestet werden. Während der stellvertretende Premierminister Michael Gove behauptet hat, man teste 10.000 Personen pro Tag, sind die tatsächlichen Zahlen deutlich niedriger. So wurden am vergangenen Freitag 6900 Menschen und am Samstag sogar nur 4908 Menschen getestet. In Deutschland sind es im Vergleich dazu bis zu 70.000.

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