Wie widerlegen die Religiösen die Evolutionstheorie?

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Man kann das Universum entweder durch die Beobachtung verstehen, dass alles einer Evolution unterliegt, dass sich alles Große aus kleineren Teilen zusammensetzt, alles Komplexe ebenfalls, und dass die Entwicklung manchmal in Richtung mehr Komplexität geht, wenn das einen Überlebensvorteil bietet.

Volker Dittmar | Richard-Dawkins-Foundation

Was wir sehen ist das Endprodukt einer oft sehr langen, sehr kleinschrittigen Evolution: Was wir sehen, ist eine Uhr – aber diese Uhr ist das (vorläufige!) Endprodukt einer sehr langen, langsamen Entwicklungsgeschichte, in der die physikalischen Regeln eine große und der Zufall eine sehr kleine Rolle spielt.

Religiöse neigen dazu, nur das Endprodukt zu sehen, und die Entwicklungsgeschichte komplett zu ignorieren. Sie sagen sich: Entweder, das Niedere, weniger entwickelte, geht aus „dem Höheren“ hervor – das sieht man bei den Tätigkeiten der Menschen, die zwar eine vergleichsweise einfache Uhr erschaffen können, aber keinen Regenwurm, der ungleich komplexer ist. Oder, so behaupten sie, alles geht durch „reinen Zufall“, unter Ignoranz der Naturgesetze, aus dem Niederen hervor.

Abgesehen davon, dass „höher“ und „niedriger“ keine Eigenschaften der Natur sind, außer in dem Sinne, dass man von einem „höheren bzw. niederen Energieniveau“ sprechen kann, so projiziert man menschliche Eigenschaften auf das Universum: Der Mensch kann nichts „Höheres“ (weiter entwickeltes) erschaffen, nicht einmal etwas, was auf seinem eigenen Komplexitätsniveau liegt, also kann „das Höhere“ nicht aus „dem Niederen“ entstehen. Es gibt nur den Ausweg, dass alles „Niedere“ wie der Mensch aus etwas „Höherem“ hervorging. Wenn wir vom Menschen absehen kommt letzteres in der Natur ausgesprochen selten vor. Es widerspricht allen Beobachtungen.

Indem man versucht, die Idee „alles Höhere hat sich aus dem Niederen entwickelt“, etwa, indem man „dem Zufall“ eine überaus gewichtige Rolle zuspielt, lächerlich zu machen. Das sieht man dann als „Widerlegung“ an. Ein Regenwald kann sich nicht im Laufe einer Milliarden Jahre langen Entwicklung aus einfachsten Mikroben entwickeln, basta. Weil nicht geht, was nicht in das Weltbild passt, aus dem man alle Entwicklungen entfernt hat. Weil man die Rolle des Zufalls so überbetont, dass es wirklich lächerlich erscheint.

Was man nicht sieht – wo man doch sonst so gerne sich auf das Ungesehene kapriziert – ist, dass es nicht eine, sondern viele zufällige Änderungen gibt, von denen sich die meisten nicht durchsetzen. Für jede heute existierende Art sind 999 ausgestorbene vorhanden. Für jede menschliche Idee über das Universum, die man heute als (vorläufig!) gültig erachtet, gab es 999, die sich als falsch herausstellten. Nur bei den religiösen Menschen und bei Fanatikern gibt es die felsenfeste, unerschütterliche Überzeugung, man habe die eine richtige unter den tausend falschen bereits gefunden.

Analog kann man die beiden inkompatiblen Ideen so charakterisieren, wie Dennet es getan hat, in: Dennett, D.C. Darwin’s dangerous idea: evolution and the meanings of life. Penguin science. Penguin Books, 1996. Darwin’s Dangerous Idea.

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