Corona-Krise Italien: Hochumstrittene Phase 2


Es zeigt sich eine Entspannung bei der Corona-Epidemie in Italien. Daher werden erste Überlegungen aus der Regierung publik, wie die Wirtschaft wieder in Gang gebracht werden soll, ohne eine zweite Welle zu riskieren.

Thomas Pany | TELEPOLIS

„Wir planen Phase 2 des Notstands, um einige Maßnahmen zu lockern und zu lernen, mit dem Virus zu leben“, kündigte Premierminister Giuseppe Conte im TV an. Seither wird in Italien über die nächste Stufe diskutiert. Als Voraussetzung wird genannt, dass man mit der sogenannten Phase 2 (Fase due) starten könnte, wenn die Zahl der Ansteckungen statistisch bei 0,5 liegt, wenn eine infizierte Person rechnerisch nur noch eine „halbe Person“ ansteckt (die Größe wird „r“ genannt). Bislang liegt diese Größe noch bei knapp über 1, dass also statistisch eine infizierte Person noch immer mehr als eine weitere Person ansteckt.

Schätzungen gehen davon aus, dass die bisherige Phase 1 noch bis mindestens Anfang Mai dauern wird. Sicher ist, dass der 1. Mai offiziell noch zur Phase 1 gerechnet wird. Es kursiert allerdings auch die Auffassung, dass sich Phase 1 bis in den Juni hinein erstrecken wird. Doch wächst eben auch der wirtschaftliche Druck.

„Wie viel sind wir bereit, im Kampf gegen das Virus auszugeben und zu verlieren? Wie viel Geld, wie viele Arbeitsplätze, wie viele Unternehmen, wie viel Zukunft, wie viele Perspektiven für die nächsten Generationen, für die Kinder, die wir zu Hause eingesperrt halten?“, wird etwa in einem Artikel des Corriere della Sera gefragt.

Der Druck hat sicher einen großen Teil dazu beigetragen, dass die Diskussion über die „Phase 2“ in der Öffentlichkeit lanciert wurde. Wie sehr damit empfindliches Gelände betreten wird, zeigt sich daran, dass Angelo Borrelli, der Koordinator der Corona-Virus-Krise, kritisiert wurde, weil er über Phase 2 gesprochen hat.

Oppositionspolitiker wie Renzi sehen in der Diskussion eine Möglichkeit, sich zu profilieren. Der ehemalige Ministerpräsident ist in der Publikumsgunst weit abgeschlagen und versucht sich nun mit Forderungen zur Fase due Gehör zu verschaffen. Dazu gehört die Forderung nach einem „Covid Pass“, der bis zur New York Times vorgedrungen ist.

Immunitäts-Ausweis

Die Idee dahinter gehört zu den Maßnahmen, die im Zusammenhang mit der Phase 2 im Gespräch sind (ein Maßnahmenkatalog wird aktuell in der Zeitung Corriere della Sera vorgestellt) und in der Regierung erwogen wird. Es geht um eine Bescheinigung, wonach die Person, die dieses Papier hat, „immun“ gegen Sars-CoV-2 ist. Mit der Immunität sind noch einige Ungewissheiten und Fragen verknüpft, daher die Anführungszeichen.

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