Der Methangehalt der Luft nimmt weiter zu – das liegt nicht nur am Permafrost


Wer die steigende Methankonzentration allein auf die tauenden Böden in Sibirien und Alaska zurückführt, macht es sich zu einfach. Forscher tippen eher auf Emissionen, die näher beim Menschen liegen.

Sven Titz | Neue Zürcher Zeitung

Bei der Förderung von fossilen Brennstoffen wird mehr Methan freigesetzt als bisher gedacht. Essam Al-Sudani /Reuters

Das bekannteste Methan-Schreckensszenario geht so: Die Erde erwärmt sich immer mehr. Die Permafrostböden in Sibirien, Kanada und im Hochgebirge tauen auf. Aus den Schmelzwassertümpeln blubbert Methan heraus. Das hochpotente Treibhausgas reichert sich in der Atmosphäre an und verstärkt die Erderwärmung. So wird noch mehr Methan freigesetzt – ein Teufelskreis.

Vor ein paar Jahren war in Medienberichten sogar von einer «Methanbombe» die Rede. Doch es ist ähnlich wie bei vielen Schreckensszenarien, die im Zeitalter des Klimawandels kursieren: Bei genauer Betrachtung liegen die Dinge oft ein bisschen anders.

Unerwartet rascher Anstieg

Richtig ist, dass der Gehalt von Methan in der Luft seit 2007 – nach einer mehrjährigen Pause – wieder rasant angestiegen ist. Die Konzentration hat bereits einen Wert von über 1870 Anteilen Methan pro Milliarde Luftanteile erreicht. Diese Zunahme auf mehr als das Zweieinhalbfache des vorindustriellen Werts bereitet Fachleuten in steigendem Masse Sorgen.

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