Von rechts vereinnahmt – Wem gehört Dietrich Bonhoeffer?


Jetzt feiern sie ihn alle. Zu seinem 75. Todestag wird Dietrich Bonhoeffer vielfach geehrt. Kirchen, Parteien und auch rechte Kreise vereinnahmen die Person und das Andenken Dietrich Bonhoeffers.

Norbert Reck | BR24

Alle schmücken sich heute gern mit Dietrich Bonhoeffer, dem Widerstandskämpfer gegen die Nazis: die Kirche, die Fundamentalisten, sogar politische Bewegungen von rechtsaußen. Aber worum ging es Bonhoeffer selbst? © BR

In den evangelischen Kirchen in der Nazizeit hielten ihn zahlreiche Vertreter für einen Störenfried, der keinen Kompromiss mit der Staatsführung akzeptierte. Als 1953 die erste große Gedenkfeier für Bonhoeffer im einstigen KZ Flossenbürg stattfand, blieb der bayerische Landesbischof Meiser demonstrativ fern. Und noch bis in die 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts wurde Bonhoeffer in Zeitungsartikeln und Leserbriefen immer wieder als „ehrloser Vaterlandsverräter“ und „nichtswürdiger Verbrecher“ beschimpft.

Davon ist heute nichts mehr zu hören. Im Gegenteil: Für viele Christen ist Bonhoeffer ein Vorbild. Er ist der „gute Deutsche“, der den Nazis die Stirn bot; evangelikale Christen in Deutschland und den USA loben ihn für seine Frömmigkeit; und neuerdings preisen auch politische Bewegungen und Parteien vom rechten Rand Bonhoeffer für seinen Mut, sich der Staatsmacht entgegenzustellen. Die AfD zählt ihn zu den „Helden der Nation in der deutschen Geschichte“. Und der umstrittene US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, ließ letztes Jahr im Namen der Trump-Regierung in der Gedenkstätte Flossenbürg eine Gedenktafel für Bonhoeffer anbringen.

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