Monster, Aliens, Bestien: Die Kreatur im Mann


Über eine spezifisch männliche Inszenierungsform: Die Kreatur, das kreatürliche Innere spätmoderner Männlichkeiten

Christoph May | DERSTANDARD

Der berühmteste aller Alienköpfe: Ridley Scotts Xenomorph. Hier hat sich Freuds absurde Kastrationsangst am deutlichsten manifestiert. Foto: 90061 / United Archives / picturedesk.com

Vor über 40 Jahren erschien Klaus Theweleits Untersuchung „Männerphantasien“. Aus diesem Anlass analysiert Gastautor Christoph May die aktuelle Fantasielosigkeit. Nach den männlichen Körperpanzer von Killern, Outlaws und Supermännern nun zur zweiten, spezifisch männliche Inszenierungsform: die Kreatur.

Das kreatürliche Innere aktueller Männlichkeiten wird zumeist mit einem Geburtsakt hervorgebracht. Das bläuliche Alienfötus mit langem Peniskopf in Prometheus, Nährstofftanks mit eingelegten Alien-Pilz-Gehirnen bei „Independence Day“, oder der Whirlpool mit aufgequollenen, bleichen Precogs in „Minority Report“. Herzerweichend das treusorgende Bild von Agent Jay (Will Smith) in „Men in Black2, als er plötzlich ein glitschiges Alienbaby im Arm wiegt und in tiefschwarze, liebenswürdige Augen blickt. Soviel zum züchten, wuchern und einlegen von außerirdischen Nacktschnecken.

Ausgewachsen sind sie ausnahmslos hochaggressiv und superletal. Riddick aka Toretto aka Vin Diesel rückt den Monstern auf „Pitch Black – Planet der Finsternis“ mit einem schwertgroßen Filetier-Messer zu Leibe.Das Hinterteil dieser imposanten Skorpione ist mit einem Dreizack versehen, ihre Klauen erinnern an Wiegemesser für Küchenkräuter. Auf Planet Erde steht Tom Cruise indes einer Art blitzschnellen und hochbösartigen Kabelsalat-Armee mit Vampirzähnen gegenüber. Sie reißen wutentbrannt ihr Maul auf und fauchen Feuer („Edge of Tomorrow“).

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