Corona stellt das Grundsätzliche jeder Religion auf die Probe


Für Christen, Juden und Muslime stehen wichtige religiöse Feiertage bevor. Wenn sie ihre Kirchen, Synagogen oder Moscheen öffnen wollen, sollte der Staat das nicht verbieten, sondern nur die Einhaltung von Sicherheitsstandards verlangen.

Alan Posener | WELT

Oberste Autorität in islamischen Glaubensfragen: die Al-Azhar-Moschee in Kairo Quelle: AFP/KHALED DESOUKI, Claudius Pflug

Einige Dutzend Muslime versammeln sich trotz Kontaktsperre zum Gebet vor einer Berliner Moschee. Katholische Gemeinden in Deutschland klagen gegen die Schließung ihrer Kirchen zu Ostern. In Israel wird der von orthodoxen Juden bewohnte Stadtteil Bnei Brak in Tel Aviv abgeriegelt, wo sich bis zu 40 Prozent der Bewohner mit dem Corona-Virus angesteckt haben könnten. Das sind nur drei Beispiele aus den letzten Tagen, die den potenziellen Konflikt zwischen religiösem Glauben und weltlicher Autorität illustrieren.

Kopfschüttelnde Ungläubige und religiös laue Menschen mögen geneigt sein, von einem Konflikt zwischen Glauben und Vernunft zu reden. Aber was ist vernünftig? In Schweden hat man die Frage – jedenfalls bis vor Kurzem – anders beantwortet als in Deutschland. In China wieder anders. Und über die Vernunft eines religiös ganz und gar unmusikalischen Menschen wie Donald Trump, der sich vor wenigen Tagen noch „volle Kirchen zu Ostern“ wünschte, darf man getrost verschiedener Meinung sein.

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