Die Entschlüsselung der Software des Lebens


Der Biotechnologie-Unternehmer Craig Venter entzifferte vor 20 Jahren das menschliche Genom. Damit wollte er das Gesundheitssystem revolutionieren und den Menschen die Kontrolle über ihr eigenes Leben geben. Doch die Abfolge der DNA sagt nicht so viel über den Menschen aus wie damals erhofft.

Michael Lange | Deutschlandfunk

Der Genforscher und Biotechnologe Craig Venter (Imago / ZUMA Press)

„DNA is in fact the software of life.“ Das Erbmolekül DNA ist die Software des Lebens. So lautet das oft wiederholte Mantra des Biochemikers Craig Venter. Anfang der 1990er Jahre wurde aus dem Angestellten der staatlichen US-Gesundheitsinstituts ein führender Biotechnologie-Unternehmer. Er machte den Schritt aus der Hölle der Bürokratie in den Himmel der Wissenschaft. So formulierte er es später in seiner Autobiografie. Craig Venter gründete ein eigenes Unternehmen. Er wollte das menschliche Erbgut schneller entziffern als die weltweite Gemeinschaft der Forschungsinstitute, die sich zum Human-Genom-Projekt zusammengeschlossen hatten – zu einem Biologie-Projekt bislang unbekannter Größe.

Mit Schrotschuß-Verfahren zum schnellen Erfolg

Hundert Jahre würde es dauern, die Information im menschlichen Genom vorzulesen. Das bedeutet: Wir brauchen neue Werkzeige, neue Computer, neue Stufen der Interpretation.

Craig Venter setzte auf eine Technik namens Schrotschussverfahren. Seine Mitarbeiter zerlegten das Erbmaterial des Menschen in kleine Bruchstücke und entzifferten sie. Drei Milliarden genetische Buchstaben, die sogenannte Sequenz aus den Buchstaben A, T, G und C. Kreuz und quer gemischt, ein großes Durcheinander. Nachher halfen schnelle Computer die Puzzlesteine zu einem großen Ganzen zusammenzusetzen. Was im Human-Genom-Projekt Jahre dauerte, gelang Craig Venter in wenigen Wochen.

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