Philosoph zur Klimakrise: „Es geht um die Verteilung von Wohlstand“


John Broome fordert eine Weltklimabank nach dem Vorbild der Weltbank. Die Menschen wollen auf Wohlstand nicht verzichten, das müsse man akzeptieren

Interview Aloysius Widmann | DERSTANDARD

Menschen zum Verzicht bringen, um das Klima zu schützen? Das wird laut dem Philosophen John Broome nicht klappen. Wenn die bisherige Klimapolitik eines gezeigt habe, dann sei dies, dass die Menschen nicht auf Wohlstand verzichten wollen. Foto: APA/AFP/dpa/FRANK RUMPENHORST

John Broome hätte im März im Rahmen des Philosophie-Projekts „Forms of Normativity“ an der Universität Wien vortragen sollen, DER STANDARD hätte ihn treffen sollen. Das vereinbarte Interview wurde wegen der Corona-Krise schließlich per Skype geführt. Der Philosoph schaut immer wieder aus seinem Fenster auf die „schöne britische Landschaft“, während er darüber spricht, wie man das Klima retten könnte.

STANDARD: Gegen die Corona-Pandemie werden ganze Staaten heruntergefahren. Warum zögern wir im Kampf gegen den Klimawandel mit drastischen Maßnahmen?

Broome: Für das Klima ist es natürlich großartig, wenn die weltweite Produktion heruntergefahren wird. Wenn der Klimadiskurs der vergangenen Jahre aber eines gezeigt hat, dann ist das: Die Menschen wollen nicht auf Wohlstand verzichten, um künftigen Generationen eine intakte Welt zu hinterlassen. Die internationale Gemeinschaft versucht seit 30 Jahren, Menschen zu Verzicht zu bewegen. Aber es gelingt nicht. Wir sollten akzeptieren, dass die Opferbereitschaft einfach nicht bei allen gegeben ist.

STANDARD: Warum akzeptieren die Menschen die Einschränkungen im Kampf gegen die Pandemie?

Broome: Weil sie kurzfristig sind. Zumindest noch. Denn wenn die Maßnahmen gelockert werden, kommt das Virus wieder. Langfristig braucht es eine Impfung oder die Durchseuchung der Bevölkerung, um möglichst viele Menschen zu immunisieren. Das würde aber wohl zu viele Leben kosten. Aber ich bin mir nicht sicher, ob die Menschen die Einschränkungen über einen längeren Zeitraum hinweg akzeptieren würden. Das macht mir Sorgen.

weiterlesen