Euro-Bonds über den Corona-Krisen-Umweg?


Heute haben die Finanzminister der 19 Euro-Länder und der restlichen EU-Länder mit souveränen Währungen ihre seit Dienstag laufenden Videokonferenzverhandlungen zum finanzpolitischen Umgang mit der Coronakrise fortgesetzt. Über ein etwa 500 Milliarden schweres Paket aus einem „europäischen Kurzarbeitergeld“ mit dem Namen „SURE“, Unternehmenskrediten der Europäischen Investitionsbank EIB und „vorsorglichen Kreditlinien“ aus dem 2012 zur „Euro-Rettung“ eingeführten Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) sind sie sich Medienberichten nach bereits „weitgehend“ einig.

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Nun geht es noch um ein Instrument, dass die Euro-Zone noch mehr als bereits nach der Finanz- und Eurokrise geschehen in eine Transferunion verwandeln würde (die es den bei der Euro-Einführung gemachten Versprechen der Politik nach eigentlich nicht geben dürfte): um so genannte Euro-Bonds – also um Schulden, die die Eurozone oder die EU gemeinsam aufnimmt.

Für bereits jetzt relativ hoch verschuldete Länder wie Italien, Griechenland, Spanien und Frankreich hätten sie den Vorteil, dass die Zinsen für solche Anleihen sehr wahrscheinlich erst einmal geringer wären als die, die sie für ihre alten Anleihen zahlen. Das hängt damit zusammen, dass verhältnismäßig fiskalstabile Länder wie die Niederlande, Österreich oder Estland nicht nur mit ihrem guten Namen, sondern auch mit ihren Steuerzahlern für diese Schulden mit bürgen.

Für Anleger wäre dadurch das Risiko von Zahlungsausfällen geringer als beim Kauf nationaler Staatsanleihen aus Italien, Griechenland, Spanien oder Frankreich. Sehr wahrscheinlich wären die Zinsen auf solche Euro-Bonds aber auch höher als die recht niedrigen, die die Steuerzahler aus den Niederlanden, Österreich oder Estland aktuell für national ausgegebene Anleihen zahlen müssen.

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