Trotz Corona-Ausgangsbeschränkungen: Freitagsgebet als Happening in Berlin


Am vergangenen Freitag drängten sich zum Ruf des Muezzins hunderte Gläubige vor der Dar-as-Salam-Moschee im Berliner Stadtteil Neukölln. Die Polizei musste eingreifen.

Birgit Gärtner | mena-watch

Die Dar-as-Salam-Moschee mit der „Neuköllner Begenungsstätte“ in Berlin (© Imago Images / Olaf Wagner)

Da war ganz schön was los in Neukölln am vergangenen Freitagabend: Als um 19 Uhr der Ruf des Muezzins aus einem Lautsprecher auf dem Dach der Dar-as-Salam-Moschee erschallte, strömten etwa 300 Gläubige herbei, um ihm aus nächster Nähe lauschen oder mit dem Handy Videoaufnahmen von dem Happening zu machen.

Dabei war die Aktion dazu gedacht, den Gläubigen in Zeiten von Corona und den damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen Trost zu spenden – zuhause. Zu diesem Zweck zumindest wurde der Moschee, die der umstrittenen „Neuköllner Begegnungsstätte“ (NBS) angeschlossen ist, die Erlaubnis erteilt, den Adhan, so heißt der Ruf des Muezzins auf Arabisch, öffentlich erschallen zu lassen. Im Einklang mit der benachbarten evangelischen Gemeinde, die ihre Glocken läutete, um ihren Gläubigen moralischen Beistand in dieser schweren Zeit zu signalisieren.

Im Gegensatz zu den Muslimen haben die Christen indes Sinn und Zweck des Geläuts verstanden und blieben der Kirche fern – während sich Medien zufolge vor der Moschee tumultartige Szenen abspielten, nachdem die Polizei versucht hatte, die Versammlung aufzulösen.

Einladungsflyer

„Gebetsruf als Zeichen des Zusammenhalts in der Corona-Krise“, stand auf dem Flyer, der verteilt worden war, um auf die Aktion aufmerksam zu machen. Das verstanden Hunderte offenbar als Einladung, zur Moschee zu kommen, denn dass sie dem Muezzin von zuhause aus lauschen sollten, davon stand in dem Handzettel nichts. Die NBS streamte live auf Facebook, u. a. die Ansprache in arabischer Sprache, die Imam Mohamed Taha Sabri hielt. Die Tageszeitung Welt beschreibt die Szenerie folgendermaßen:

„Was sich am Freitag genau abspielte, zeigen mehrere Videos von Augenzeugen. Als am Moscheegelände die Gebetsrufe beginnen, drängen sich Dutzende Männer mit gezückten Smartphones vor dem Eingangstor. Schulter an Schulter. Manche scheinen dabei Gebete zu sprechen. Einige Gruppen stehen weiter hinten auf dem Bürgersteig, auch sie filmen das Geschehen. Auf Abstand zu anderen Menschen scheint kaum jemand zu achten.

Erst nach und nach treffen Polizisten ein. Auf einer Aufnahme ist zu sehen, wie ein Beamter die Menschentraube am Eingang zur Moschee nach ein paar Minuten auflöst und die Besucher nach hinten verweist. Als mehrere Polizisten versuchen, Gruppen zum Abstandhalten anzuweisen, kommt es zu Tumulten. Einige Männer fangen an zu brüllen, auch ‚Allahu Akbar‘-Rufe sind auf Videos zu hören. Die Polizei hat große Mühe, durchzugreifen.“

Ähnlich berichten auch andere Medien, die NBS sorgte bundesweit für Schlagzeilen.

Eigentlich war geplant, jeden Abend zur gleichen Zeit wie das Glockengeläut den Ruf des Muezzins über dem Berliner Stadtteil zu erklingen lassen. Doch von dem Vorhaben wurde nach dem Vorfall am Freitag zunächst Abstand genommen, mittlerweile hat der Neuköllner Bezirksbürgermeister Falko Liecke der NBS untersagt, ihren Gebetsruf öffentlich durchzuführen. Das bedeutet aber nicht, dass die Idee zur Gänze fallen gelassen wird, schließlich haben landauf, landab Moscheen eine Genehmigung für den Adhan beantragt. Am 10. April wird der Muezzin in Deutschland in nahezu allen Regionen zu hören sein.

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