Veterinärin zum Corona-Ausbruch: «Wir blicken schon länger mit Besorgnis auf die Lebendtiermärkte»

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Mit Covid-19 ist erneut eine Krankheit entstanden, weil ein Erreger vom Tier auf den Menschen übergesprungen ist. Das geschieht immer häufiger, weil die Kontakte zwischen den Arten zunehmen, erklärt die Veterinärin und Epidemiologin Gertraud Schüpbach.

Lena Bueche | Neue Zürcher Zeitung

Auf vielen asiatischen Märkten werden Tiere lebend zum Verkauf angeboten und vor Ort geschlachtet. Das begünstigt die Entstehung und Ausbreitung neuer Infektionskrankheiten. Kevin Frayer / Getty

Frau Schüpbach, das Virus Sars-CoV-2, das für die derzeitige Pandemie verantwortlich ist, hatte vermutlich in Fledermäusen zirkuliert, bevor es über einen weiteren Zwischenwirt auf den Menschen übertragen wurde. Sind Wildtiere eine Bedrohung für unsere Gesundheit?

Wildtiere sind zuerst einmal eine grosse Quelle von Biodiversität: Es gibt sehr viele verschiedene Arten von Tieren, und innerhalb dieser Arten leben auch sehr viele verschiedene Viren ­– und natürlich auch Bakterien und andere Krankheitserreger. Aber ich würde jetzt nicht so weit gehen und behaupten, Wildtiere seien eine Bedrohung. Krankheitserreger gehören einfach zur Natur und zu unserer Welt.

Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen überspringen, sogenannte Zoonosen, gab es schon immer. Trotzdem scheinen sich die Ausbrüche zu häufen – man denke an Sars, Mers, Ebola oder momentan Covid-19. Stimmt dieser Eindruck?

Ja, der Eindruck stimmt. Vor allem unter den neu auftretenden Infektionskrankheiten sind auffällig viele Zoonosen. Weil die menschliche Population immer grösser wird und die Menschen auch in entlegene Gebiete vordringen, nimmt die Anzahl der Kontakte zwischen den Menschen und den verschiedenen Tierarten zu. Das ist der wahrscheinlichste Grund, weshalb es immer mehr Krankheiten gibt, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden.

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