Das Coronavirus – die 11. Plage?

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„Tuet Buße! Bekehret Euch! Der Herr wird Euch für Eure Sünden bestrafen!“ Das sind nicht etwa mittelalterliche Predigtworte, sondern aktuelle Töne aus evangelikalen Gottesdiensten, die weiter in drangvoller Enge stattfinden. Wer den richtigen Glauben hat, wird nicht krank! Die anderen aber müssen für ihre Sünden bereuen. So heißt es. In evangelikalen Kreisen zählen dazu etwa Homosexualität oder Abtreibungen, die nun eine göttliche Plage provozieren. Kann das sein, dass Gott nun mit Corona eine 11. Plage auf die ganze Menschheit herniedergehen lässt?

Thomas Klatt | evangelisch.de

Markus Witte, Professor für Altes Testament an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Berliner Humboldt-Universität, plädiert für die historisch-kritische Einordnung der biblischen Plagen. Diese seien ca. 1.200 Jahre vor Christus geschrieben worden, die Endredaktion aber fand erst um 400 vor Christus statt. „Zunächst muss man die Erzählung als eine große Literatur- vor allem theologische Konstruktion der Geschichtsdeutung verstehen“, sagt Witte. Dass derart dramatische Naturereignisse in den ägyptischen Quellen keine Spuren hinterlassen haben, ist ein Hinweis darauf, dass die zehn biblischen Plagen im 2. Buch Moses keine historischen Ereignisse widerspiegeln.

„Dass sich Nilwasser färbt, Frösche plötzlich auftauchen, Stechfliegen, Pest, Hagelstürme, sind Erfahrungen, die schon in der Antike in Nord-Afrika oder im östlichen Mittelmeer-Raum zu machen waren. Aber sie werden hier ganz bewusst literarisch konstruiert, um zu zeigen, dass der eigentliche Gott der kosmischen Ordnung nicht der Pharao ist, sondern der Gott Israels, JHWH“, so Witte weiter.

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