In der Waffenschmiede der Taliban


Der Nordwesten Pakistans ist für die Taliban Rückfallraum, Vorratskammer und wirtschaftliche Basis in einem. Nach dem Friedensschluss in Doha mit den Amerikanern bereiten sie die Machtergreifung in Kabul vor.

Ulrich Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Ziaullah Khan mit der Kopie einer SIG-Sauer 226.  Bild: Philipp Breu

«Lass uns feiern, Bruder! Jetzt kommt der Friede!» Ziaullah Khan lacht, steht auf, öffnet die Arme und umarmt seine Freunde, die aus Afghanistan, aus China und Europa nach Peshawar gekommen sind, um mit ihm die Unterzeichnung des Abkommens von Doha zu feiern. Die Freude ist riesig, doch in dem kahlen Büroraum, in dem gefeiert wird, geht es gesittet zu. Die Wasserpfeifen blubbern, eine gigantische Anlage produziert stampfenden Sound und wandernde Lichter, und später am Abend befassen sich ein paar von Ziaullahs Freunden etwas näher mit Cannabis und Alkohol. Doch Ziaullah ist ein frommer Gotteskrieger, ein Talib. Noch nie in seinem Leben hat er Drogen angerührt, also tut er es auch jetzt nicht.

Friedenshoffnung und Kriegsbereitschaft

Zum Feiern allerdings hat er Grund. Alle paar Minuten erhält er Nachrichten und Filme von Bekannten, die mit der Taliban-Delegation Abdul Ghani Baradars nach Doha gereist waren. Die Taliban, «Studenten, Strebende» auf Paschtunisch, haben eine sagenhafte Karriere gemacht. Aus der international geächteten Terrorgruppe, die nicht nur die Amerikaner und die afghanische Regierung, sondern oft auch die Zivilbevölkerung angriff, und zwar skrupellos, sind Dialogpartner geworden. Ende Februar unterzeichneten sie mit den USA in Doha eine Vereinbarung. Ziaullah kann es kaum fassen. «Wir, die Taliban, verhandeln mit der Supermacht! Ist das nicht riesig? Nun wird alles gut. Die Afghanen sind kriegsmüde. Sie haben gesehen: Was sie auch tun, es bringt nichts. Najibullah ist gescheitert. Die Mujahedin sind gescheitert. Die Warlords sind gescheitert. Die Zeit für den Frieden ist gekommen.»

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