Christlicher Andijudaismus: Das Volk unter dem Fluch


Das Osterfest begeht das zentrale Heilsereignis des Christentums. Am Karfreitag wird des gewaltsamen Todes Jesu am Kreuz gedacht, in der Osternacht wird seine Auferstehung gefeiert. Ohne Jesu Tod und Auferstehung gäbe es das Christentum nicht.

Hans Förster | Wiener Zeitung

Fresko aus der Pfarrkirche Thörl-Maglern (Kärnten). Das Bilddetail zeigt das „Lebende Kreuz“: Hände, die aus dem Kreuz bzw. den Wolken hervorkommen, krönen die Kirche (l.) und durchbohren die Synagoge. – © Institut für Realienkunde – Universität Salzburg/Peter Böttcher (siehe auch: https://www.imareal.sbg.ac.at/

Jesus selbst war Jude, der beispielsweise von Maria von Magdalena im Rahmen der Erzählung von ihrer Begegnung mit dem Auferstandenen als „Rabbi“ angesprochen wird. In dieser jüdischen Identität des frühen Christentums liegt mitbegründet, dass im zentralen Heilsereignis des Christentums gleichzeitig die Wurzel einer Unheilsgeschichte für das Judentum zu suchen ist. Die ersten Anhänger Jesu waren Juden. Im Gegensatz zu den meisten Juden glaubten die Anhänger Jesu, dass er der von den Juden erwartete Messias war, also der Christus.

Durch die Ausbreitung des Christentums entstand eine Konkurrenzsituation zwischen Judentum und Christentum. Nach einem weit verbreiteten christlichen Verständnis, das sich zum Beispiel bei dem lateinischen Kirchvater Augustinus von Hippo (4./5. Jhdt.) findet, geht die Heilsverheißung des „alten Bundes“ vom Judentum auf das Christentum über.

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