War Rassismus in Celle das Motiv?


„Angriff aus dem Nichts“, titelte die Cellesche Zeitung. Beschrieben wird dort, wie der 15-jährige Arkan Hussein Khalaf von einem 29-jährigen Mann mit einem Messer erstochen wird. Der Jugendliche starb wenig später im Krankenhaus. Der Täter konnte von Anwesenden festgehalten und der Polizei übergeben werden.

Peter Nowak | TELEPOLIS

Celle. Bild: Pschemp/CC BY-SA 3.0

Arkan Hussein Khalaf hatte mit seiner Familie nach dem Genozid an den Eziden (oft: Jesiden) durch den sogenannten „Islamischen Staat“ 2014 die Schengal-Region im Irak verlassen. Die Eltern flohen mit ihren drei Töchtern und drei Söhnen über die Türkei und Griechenland nach Deutschland und ließen sich in Celle nieder, wo viele Eziden leben. „Wir sind über das Wasser gekommen und hier im Blut ertrunken“, erklärte die Schwester des Getöteten gegenüber der kurdischen Tageszeitung Yeni Özgür Politika.

Kein politischer Hintergrund?

In einer gemeinsamen Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Lüneburg und des Polizeipräsidiums Celle heißt es über den mutmaßlichen Täter:

Dem Mann wird vorgeworfen, gestern Abend einen 15-Jährigen aus Celle offenbar grundlos mit einem Messer niedergestochen zu haben, als dieser zufällig auf seinem Fahrrad in der Bahnhofstraße an dem Beschuldigten vorbeigefahren war.

Der mutmaßliche Täter hat sich auch vor dem Haftrichter heute nicht zum Tatvorwurf geäußert. Die bisherigen Ermittlungen lieferten in keiner Hinsicht Anhaltspunkte für eine ausländerfeindliche oder politisch motivierte Tat.

Aus der Pressemitteilung des Polizeipräsidium Celle

Nach Recherchen von Zeit-Online befasste sich der Festgenommene mit rechten Verschwörungstheorien.

Doch ob der Flüchtling ein Zufallsopfer war, daran sind zumindest Zweifel erlaubt. Zeit Online stieß bei Recherchen zu Daniel S. auf drei Social-Media-Konten, die eine Nähe zu rechtsextremen Verschwörungsideologien belegen. Die Polizei bestätigte, dass es sich beim Inhaber der Accounts um den Verdächtigen handelt. Mehrere Neonazis und Rechtsradikale befinden sich unter den Onlinefreunden von Daniel S. Nicht alle seine Onlinebekanntschaften scheinen indes politisch begründet. Auch Kurden und Türken sind darunter.

Zeit Online

Auf Zeit-Online ist auch ein mit einem Hakenkreuz garniertes antisemitisches Meme von einer der Webseiten zu sehen, die der Verdächtigte besucht hat.

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