Coronavirus in Amerika: Nicht alle können sich Distanz leisten

coronavirus sars-cov-2

Das Coronavirus ist kein „Gleichmacher“ – im Gegenteil: Es verstärkt die Klassengegensätze in Amerika. Wer in der Dienstleistungsbranche arbeitet, kann oft nicht von zu Hause arbeiten, und wer wenig Geld verdient, hat nicht unbedingt ein eigenes Zimmer.

Frauke Steffens | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Pfleger und Mitarbeiter des Mount Sinai Hospitals in Manhattan erinnern am Freitag vor dem Krankenhaus an ihre Kollegen, die in der Corona-Epidemie gestorben sind. Bild: AFP

Leere Straßen, die wie Schluchten wirken, blinkende Lichter am Times Square, die kein Tourist mehr fotografiert, und Geisterzüge in den U-Bahn-Stationen. So sieht New York zumindest aus der Sicht von Fotografen aus, die in Manhattan unterwegs sind. Aber keine Zeitung und kein Fernsehsender würden derzeit jemanden in die Subways schicken, die durch die Bronx, Brooklyn oder Queens fahren – dort ist es alles andere als leer. Wie in den sozialen Medien zu sehen ist, drängen sich die Menschen in Waggons und Stationen dort wie an einem normalen Arbeitstag – nur mit Gesichtsmasken.

Managerinnen in Manhattan und Werber in Park Slope mögen ihre neu gewonnene Freizeit feiern, doch die Angestellten in den Krankenhäusern von Manhattan müssen nach wie vor zur Arbeit fahren. Und wenn sie keine Ärzte sind, wohnen sie oft in einem der preiswerteren Stadtteile. Auch wer in Supermärkten oder Versandzentren arbeitet, riskiert seine Gesundheit in den vollbesetzten Zügen – „physical distancing“ ist in Amerika zum Privileg geworden.

weiterlesen