„Corona-Krise relativiert Rolle von geweihten Männern in der Kirche“


Die Kirche erschöpfe sich nicht im Auftreten eines geweihten Mannes im Messgewand, findet die stellvertretende kfd-Vorsitzende Agnes Wuckelt. Aktuell stünden Priester recht einsam am Altar, während sich das Kirchenvolk anders organisiere. Von der von Franziskus angekündigten neuen Kommission zur Frauenweihe hält sie nichts.

Gabriele Höfling | katholisch.de

Frage: Frau Wuckelt, es gibt fast aus jedem Bistum Livestreams von Eucharistiefeiern. Würden Sie sich da mehr Gottesdienste wünschen, für die es keine Priester braucht, wie Andachten oder Wort-Gottes-Feiern?

Wuckelt: Das wäre in der Tat angesagt. Es stellt sich generell die Frage, ob es sinnvoll ist, eine von einem Priester allein gefeierte Eucharistie zu streamen. Ich meine nein. Es sollte jetzt der ganze Schatz an liturgischen und spirituellen Ausdrucksformen in der Kirche zum Tragen kommen. Zum anderen sollten sich in gestreamten Gottesdiensten alle Gemeindemitglieder wiederfinden, auch Frauen – und nicht nur Bischöfe oder leitende Pfarrer. Kirche erschöpft sich nicht im Auftreten eines geweihten Mannes im Messgewand. Wir alle sind Kirche.

Frage: Welche liturgischen Formen könnten das sein?

Wuckelt: In den Kar- und Ostertagen wären das zum Beispiel Wortgottesfeiern, Eucharistische Anbetung, Kreuzwegandachten – überall dort könnten Frauen einen Beitrag leisten. Darüber hinaus könnte es kurze Meditationen geben oder einen biblischen Impuls. Auch kurze Feiern sind möglich, bei denen Frauen und Männer, die nicht geweiht sind, einen Segen spenden. Vielleicht sind jetzt gerade kürzere Formen gut, für die Menschen nicht 45 oder 60 Minuten am Monitor sitzen müssen. Wir sind in der Kirche so stark fixiert auf die Hochformen von Liturgie, dass wir vielleicht gar nicht merken, dass den Menschen in dieser Situation auch andere Formen und kleine Formate guttun. Da muss Kirche freier und kreativer werden.

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