Ein Exit-Appell – die humane Komponente nicht zu vergessen

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Auch ein Appell, die vielen kleinen Restaurants (und auch Boutiken und Geschäfte) nicht zu vergessen, die in vielen Orten noch Rückhalt des Sozialen sind, bedrängt von McDonald’s, Amazon und Online-Lieferung

Peter Grassmann | TELEPOLIS

Bild: Peter Grassmann

Wir erinnern uns. Am 16. März sprach Markus Söder ein Machtwort und stellte das öffentliche Leben in Bayern fast auf null. Fast, denn in Bayern beginnt schon im März die Zeit des draußen Sitzens, die Zeit, in der Restaurants und Gasthäuser ihre Terrassen und ihre Gärten öffnen und der ersehnten südlichen Lebensfreude Raum geben.

Und weil er Bayern kennt, nahm Söder die Terrassen und Biergärten von der allgemeinen Schließung aus – natürlich mit Abstandsregel und ein bisschen Innenraum in den Restaurants, bis zu 30 Personen. Allerdings nur untertags, bis 15:00 Uhr. Am Abend sitzt in dieser Jahreszeit keiner mehr in der Sonne. Soweit ich das beobachten konnte, haben sich Restaurants und Biergärten den Einschränkungen gut gefügt und liebevoll die Hälfte der Tische weggeräumt. Eine Woche lang durften die Bayern noch frische Luft genießen.

Dem föderalen Streit zwischen den Bundesländern wich Bayern so entschlossen aus und schuf Fakten. Aber Merkel wäre nicht Deutschlands Kanzlerin, wenn sie dem Föderalismus Vortritt gelassen hätte. Und so wurden die gastlichen Sonnenterrassen und Biergärten dem strengeren Berlin und seinen RKI-Beratern geopfert, die nach der Winterpause gerade eingerichteten Sitzbereiche wieder geräumt. Sonne gab es nur noch als Spaziergang.

Nach nun vier Wochen Isolationspflicht in Bayern zeigt sich zum Glück, dass die Intensivstationen nicht so gefüllt sind, wie befürchtet. Nun scheint es, dass Söders Humanität durchaus einer guten Lagebeurteilung entsprach. Dass nun nach drei bis vier Wochen Isolation und einer Inkubationszeit von zwei Wochen eine Überlastung der Intensivpflege noch kommen sollte, will nicht einleuchten. Aktuell sind die Intensivstationen zu Zweidrittel ausgelastet, hart genug für das dort tätige Personal, aber immerhin noch mit etwas Spielraum.

Versprochen ist versprochen

Zu Ostern verlängerte sich die Verdoppelung der Infektionen nun auf 16 Tage. Und ab 14 Tagen Verdopplung wollte man über Lockerungen nachdenken. Ab dem Zeitpunkt ist die Zahl der Genesenen in etwa gleich groß wie die Zahl der neu Infizierten. Das ist erreicht.

Nun kann man hoffen, dass Berlin und RKI bald wieder erlauben, die Frühlingsluft wie gewohnt auf den Terrassen der Gasthäuser und vor den Eisdielen und Straßencafés zu genießen, mit Abstand und Anstand selbstverständlich und – sobald verfügbar – auch mit Maske.

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