Der Humanismus in „Star Trek“


Ist Star Trek noch Star Trek? Die Frage mag verwundern, doch mit dem kürzlichen Ende der ersten Staffel von Star Trek: Picard scheint sie nicht abwegig zu sein. Folgend wird die These vertreten, dass der säkulare Humanismus wesentlich für Star Trek ist und mit Star Trek: Picard endgültig eine Abkehr davon stattgefunden hat.

Fabian Krahe | hpd.de

Die Skulptur eines Raumschiffs aus „Star Trek“ in Vulcan, Alberta, USA. Foto: © dave_7, Wikimedia/Flickr (CC BY-SA 2.0)

tar Trek lief zum ersten Mal 1966 im amerikanischen Fernsehen. Die Serie Star Trek (in Deutschland: Raumschiff Enterprise) wurde von Gene Roddenberry erdacht, einem ehemaligen Polizisten, der vorher Drehbücher für Kriminal- und Westernserien geschrieben hatte. Ein Einschlag, der sich auch in vielen Folgen der Originalserie widerspiegelt. Durch Syndikation wurde die Serie nach ihrer Einstellung oft ausgestrahlt und erwarb sich eine treue Anhängerschaft. Im Windschatten des Erfolges von Star Wars erschien 1979 ein erster Kinofilm (ursprünglich war eine weitere Serie geplant worden), dem bis heute zwölf weitere Filme folgten. In den siebziger und achtziger Jahren konnte die Originalserie zunehmend den Ruf einer progressiven, humanistischen Zukunftsvision aufbauen. Roddenberry hatte die Grundlagen dafür gelegt: Auf der Brücke der Enterprise erforschten ein Amerikaner, ein Russe, ein Japaner, eine schwarze Frau und ein Alien friedlich die Galaxis. Alte Konflikte, wie der Kalte Krieg, waren überwunden worden und die Erde Mitglied der „Föderation der Vereinten Planeten“. Zukunftsvisionen technologischen und medizinischen Fortschritts gingen Hand in Hand mit dieser Utopie.

Mit Star Trek: The Next Generation formulierte Roddenberry ab 1987 diese Utopie deutlich klarer und eindeutiger. Dieser Zukunftsoptimismus zeigte sich in allen Teilen der Serie. Mit dem Klingonen Worf war ein Alien Teil der Besatzung geworden, dessen Spezies in der vorigen Serie und den frühen Filmen die klassischen Bösewichte gestellt hatte. In jeder Folge wird die Besatzung der Enterprise vor Probleme gestellt, die oft ethischer Natur sind. Die Probleme löst sie mit den Werkzeugen der Aufklärung: der Vernunft und der Wissenschaft. Die Figur Q, ein Q und Mitglied des Q-Kontinuums, erlaubte es Roddenberry gar, die gesamte Menschheit in Form von Captain Jean-Luc Picard auf den Prüfstand zu stellen. Gott findet in dieser Zukunft keinen Platz mehr. Oder wie es Captain James Kirk einmal ausdrückte: „Wozu braucht Gott ein Raumschiff?“ (Star Trek V)

Das Star Trek der späten Achtziger und frühen Neunziger ist zum idealtypischen Star Trek geworden. Es ist die Vision einer Welt ohne Religion, in der das Jenseits keine Rolle spielt. Eine säkular-humanistische Utopie, in der die Menschheit Hunger, Krieg und Krankheit hinter sich gelassen hat. Diese Menschheit arbeitet zusammen, um mit der Sternenflotte die Galaxis zu erforschen und sich selbst zu verbessern. Mit ihrer episodischen Struktur bildet Star Trek eine Ansammlung von ethischen Erzählungen, die nach Meinung von Brannon Braga, langjähriger Produzent und Drehbuchautor der Serie, Star Trek als eine „atheistische Mythologie“ konstituieren. Doch brauchen Atheisten überhaupt eine Mythologie? Braga meint, eigentlich nicht. Atheisten könnten sich auf ihr wissenschaftliches Weltbild stützen. Doch Star Trek kann auf eine unterhaltsame Weise Atheisten mit ihren ganz unterschiedlichen Vorstellungen zusammenbringen. Und sie können auf Star Trek verweisen, wie eine Welt aussehen könnte, in der wir Religion hinter uns gelassen haben.

weiterlesen