„Corona“ und „Volksgesundheit“


Die Lage ist ernst, die „Volksgesundheit“ in Gefahr. Das neuartige Corona-Virus infiziert immer mehr Menschen, die Zahl der Todesopfer steigt von Tag zu Tag an. Und weil es sich um eine „Pandemie“ handelt, betrifft dies nicht nur Deutschland, sondern die meisten Länder dieser Welt.

Björn Hendrig | TELEPOLIS

Grafik: TP

Alle Staaten legen nun Programme auf und ergreifen Maßnahmen, die Verbreitung von Corona einzudämmen. Endlich, so scheint es, kümmern sich die Regierungen wirklich um ihr Volk, unternehmen alles, es zu schützen. Und es stimmt ja: Ohne Volk ist kein Staat zu machen. Aber es stimmt auch: Auf Einzelschicksale wird keine Rücksicht genommen. Wenn also von „Volksgesundheit“ die Rede ist – wer definiert sie nach welchen Kriterien? Und wem dient sie wozu?

Die „physische und psychische Gesundheit bezogen auf die gesamte Bevölkerung eines Staates“ lautet eine gängige Definition von „Volksgesundheit“. Weitere Beschreibungen beziehen sich auf das englische „Public Health“, das mit „öffentlicher Gesundheitspflege“ oder eben auch „Volksgesundheit“ übersetzt wird. „Bei der Betrachtung der Gesundheit der Bevölkerung steht die Gesundheit von Personengruppen, Bevölkerungsteilen oder ganzen Bevölkerungen im Vordergrund, nicht die Gesundheit der einzelnen Person.“ (Wikipedia: „Public Health“).

Kein Widerspruch: ein „gesundes“ Volk hat tausend Krankheiten

So tautologisch wie diese Bestimmungen klingen, machen sie doch eines deutlich: Es geht um eine allgemeine Betrachtung, nicht um das Einzelschicksal. Und auf das Thema blickt nicht eine medizinische Instanz, sondern ein Staat. Wann ein Volk als insgesamt „gesund“ gilt oder zumindest nicht als ernsthaft krank, verdankt sich nicht ausschließlich medizinischen Kriterien. Wenn dem so wäre, müsste sich so ziemlich jeder Staat auf diesem Globus, das angeblich so vorbildliche Deutschland eingeschlossen, ernste Sorgen machen. Schließlich erleiden ständig eine große Anzahl Menschen Zusammenbrüche des Kreislaufs und der Nerven, ruinieren ihr Skelett, verletzen sich bei Arbeitsunfällen, vergiften sich durch schlechte Luft und Lebensmittel, halten sich mühsam mit Hilfe von Tabletten und Spritzen aufrecht usw.

Das Leben und Arbeiten in einer Marktwirtschaft unterwirft den menschlichen Körper eben einem enormen Verschleiß und setzt ihn großen Risiken aus. Und die vom Wirtschaftsleben eher unabhängigen Krankheiten für Jung und Alt, ob Blinddarmentzündung oder Alzheimer, kommen noch hinzu.

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