Die Kirche und die Ketzer: Zwischen Duldung und Exkommunikation


Hexen, Ketzer, Kreuzzüge: In Kirchengeschichte und -gegenwart gab und gibt es immer wieder große Kontroversen. Diese beleuchten wir mit unserer neuen Serie. Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Kirche und Ketzern – das in der Vergangenheit besonders tragisch war.

Josef Bordat | katholisch.de

„Ketzer!“ – Bis heute ein populäres Schimpfwort, um Vertreter abweichender (theologischer) Meinung mundtot zu machen. Dabei ging es der Kirche nie um ein Abwürgen der Diskussion. Das Charakteristikum der Ketzerei ist nicht die Kritik an der Kirche an sich, sondern die Auffassung, diese Kritik sei von der Kirche unbedingt anzunehmen. In den Augen des Ketzers entfernt nicht er sich von der Kirche, sondern die Kirche von der Wahrheit – die er, der Ketzer, ganz genau zu kennen meint. Daraus entsteht ein Konflikt „auf Augenhöhe“, wie man neudeutsch sagen würden. Ich oder die Kirche – es kann nur eine(n) geben. Die Herausforderung, bisweilen auch die Gefahr für die Kirche, ist deutlich gegeben.

Wenn nun Ketzer öffentlich in Erscheinung und damit offen in Konkurrenz zur Kirche treten, muss sich diese von ihnen abgrenzen. Das geschieht durch Klarstellung der eigenen Lehre und entsprechende Argumentation im Diskurs, das geschieht jedoch auch durch Ausschluss, durch Exkommunikation und vor allem dadurch, dass die Kirche dem Ketzer untersagt, die Menschen in ihrem Namen zu unterrichten. Das ist immer noch so. Dass damit zu bestimmten Zeiten weltliche Strafen verbunden waren, bis hin zum Tod, das ist tragisch, ändert aber nichts daran, dass die Kirche das Recht hat, festzustellen, wer in ihrem Namen spricht und wer nicht. Jede Partei und jeder Verein hält das so. Deswegen gibt es Parteiausschlussverfahren und den Tatbestand des „vereinsschädigenden Verhaltens“.

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