Über den Ursprung der Menschenwürde


Die Ideengeschichte der Menschenwürde umreißt die Philosophin Martha Nussbaum in diesem Buch.

Martin Schneider | Spektrum

Es muss eine verstörende Erfahrung für Alexander den Großen (356-323 v. Chr.) gewesen sein: Als er einer Anekdote zufolge dem kynischen Philosophen Diogenes von Sinope (um 412-323 v. Chr.) anbot, ihm einen Wunsch zu erfüllen, soll dieser ihn mit der Bemerkung abgefertigt haben: »Geh mir aus der Sonne!«

Offenbar, so die Lehre aus dieser Geschichte, braucht es zum menschlichen Sein und zur menschlichen Würde keines äußeren Schmucks, keiner Macht und keiner Reichtümer – für die Alexander in der Anekdote sinnbildlich steht.

Eine gutes Leben

Ausgehend von der antiken Philosophie der Kyniker und Stoiker befasst sich die Philosophin Martha Nussbaum (geb. 1947), Professorin an der Universität Chicago, in diesem Buch mit der ideengeschichtlichen Entwicklung der Würde, die jedem Menschen zukommt, und der Frage eines guten, weltbürgerlichen Lebens. Dass alle Menschen als gleichwertig und über jeden materiellen Preis erhaben betrachtet werden sollen, bezeichnet sie als eine der wichtigsten Einsichten westlichen Denkens. Hier liegt eine wesentliche Grundlage der nach dem Zweiten Weltkrieg ausgearbeiteten Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

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