Warnten US-Geheimdienste schon Anfang November vor einer Epidemie in Wuhan?


Nach genetischen Studien ist SARS-CoV-2 schon vor Jahrzehnten in Südchina entstanden, die ersten Infektionen des für Menschen gefährlichen Typs könnten im September 2019 geschehen sein

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Während sich China und die USA gegenseitig die Schuld an der Entstehung der Coronavirus-Epidemie zuweisen und Gerüchte verbreitet werden, dass Covid-19 in einem Labor entstanden sei (Coronavirus: „Made in China“ oder „Made in the USA“?), ist auch unter Wissenschaftlern noch ungeklärt, ob das Virus wirklich aus dem Wildtiermarkt (wet market) in Wuhan stammt. Die meisten Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass es biologisch evolviert ist und nicht aus einem (militärischen) Bio-Labor stammt.

Wissenschaftler der University of Cambridge und des Wellcome Sanger Institute leiten die Initiative COG-UK, mit der britische Labors das Virus Covid-19 sequenzieren und dabei in Echtzeit zu verfolgen suchen, wie es sich entwickelt oder mutiert. Die Wissenschaftler in Cambridge können am Tag das Genom von 24 bis 70 Coronaviren sequenzieren. Alle zwei Wochen scheint das Virus in Großbritannien eine Mutation zu durchlaufen. Die Wissenschaftler versuchen, aus der Analyse der Mutationen den Zeitpunkt und den Ort zu finden, wo das Virus, das dem Sars-Virus sehr nahe ist, entstanden ist.

Nach Genom-Analysen ist das Virus in ähnlicher Form bereits zwischen 40 Jahre und 70 Jahre unterwegs. Der engste Verwandte von SARS-CoV-2, der bislang gefunden wurde, wurde 2013 in Fledermäusen in der südchinesischen Provinz Yunnan entdeckt, das RaTG13-Virus. Ein ähnliches Virus wurde auch in Schuppentieren gefunden. Das neue Coronavirus ist wahrscheinlich in Fledermäusen so mutiert, dass es auf Menschen überspringen kann.

Südchina und nicht Wuhan

In einer ersten Analyse des phylogenetischen Netzwerks von 160 Genomen von Ende 2019 bis März 2020 fanden die Wissenschaftler aus Cambridge, Münster und Kiel bei der Zurückverfolgung der Mutationen drei Varianten des Virus. Mit dieser Methode können auch die Infektionswege für dokumentierte Covid19-Fälle rekonstruiert werden. A ist am engsten verwandt mit dem Coronavirus aus Fledermäusen und gilt als Urahne aller menschlichen Coronaviren. A wurde bei chinesischen und amerikanischen Infizierten und in mutierten Versionen bei Australiern und Amerikanern gefunden. Auch in Wuhan wurde A gefunden, aber es war nicht vorherrschende Variante, sondern die Variante B, die auch in Ostasien am meisten verbreitet ist. Dagegen sind die Varianten A, also das ursprüngliche Virus, und C, ein Abkömmling von B, bei Europäern, Australiern und Amerikanern zu finden, C auch in Südkorea, Singapur und Hong Kong, aber nicht in China.

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