Corona-Krise stärkt Konservative und Nationalisten


In den politisch zerrissenen USA kämpft Trump ums Überleben, in Deutschland wird die Union favorisiert, SPD, Grüne und die AfD sind die Loser

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Grafik: TP

Bedrohungen haben fast immer den Effekt, dass die Menschen sich hinter die regierende Macht stellen und den Nationalismus stärken, also Misstrauen und Ablehnung gegenüber Ausländern und dem Ausland entwickeln. Das ist mitunter auch dann der Fall, wenn die Entscheidungen der Regierenden die Bedrohung verstärkt oder erst hervorgebracht oder gar einen Krieg angezettelt haben, in den die Bürger des Staats geschickt werden, wie das etwa bei George W. Bush der Fall war.

Die Menschen hoffen dann wohl darauf, dass die Machthabenden schon das Beste für sie machen und sie vor Gefahren schützen. Ihnen wird Kompetenz tautologisch zugeschrieben, weil sie an der Macht sind und die Geschicke leiten, wie immer schlecht dies in den Zeiten vor einer Krise war. Weil aber die Angst in der Krise sich an das Bestehende klammert, klammert sie sich auch an die Macht vor der Krise. Neue Politiker und Parteien werden hingegen eher mit Misstrauen betrachtet, weil sie ja das Gewohnte verändern könnten, für das die Machthabenden stehen, die für den Zustand vor der Krise, also vor der Veränderung, stehen.

Diese Logik wird auch von den Machthabern gerne instrumentalisiert, wenn sie Krisen oder Konflikte eskalieren und Schuldzuweisungen machen. Donald Trump ist ein Präsident, der ziemlich plump dieser Logik folgt, um seine Macht zu erhalten und auszubauen. Allerdings ist in einem gespaltenen Land, in dem eine Mehrheit ihn ablehnt, zumal er auch nur aufgrund des amerikanischen Wahlsystems und knappen Gewinnen in Swing States die Präsidentschaft ohne Mehrheit in der Bevölkerung gewonnen hat, schwieriger.

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