Von Tier zu Mensch und von Mensch zu Mensch zu Mensch …

coronavirus sars-cov-2

Covid-19 erscheint uns wie eine singuläre Situation. Doch das Muster ist lange bekannt. Aus einem seltenen Ereignis wird eine unkontrollierbare Infektionskette.

Hermann Feldmeier | DER TAGESSPIEGEL

Märkte, auf denen lebende Wildtiere zum Verkauf angeboten werden und wo die Käfige oftmals eng beieinanderstehen, gelten als Orte,…Foto: epa/Chang Feng/dpa

Am 4. März 1918 erkrankte der Geflügelzüchter Albert Gitchell aus Kansas mit grippeähnlichen Symptomen. Einige Tage später wurde er als Koch in das Ausbildungscamp der Armee in Funston abkommandiert. Dort warteten 55 000 Soldaten auf die Verschiffung nach Europa.

Innerhalb von drei Wochen nach Ankunft des Geflügelzüchters waren 1100 Rekruten an einer schweren Atemwegsinfektion erkrankt und 38 gestorben. Es gibt zwar auch andere plausible Hypothesen zum Ursprung der Epidemie. Aber der Mann aus Kansas – oder zumindest jemand aus seinem Umfeld, bei dem er sich angesteckt haben könnte – könnte der „Patient null“ der durch die Variante H1N1 des Influenza-A-Virus verursachten Pandemie gewesen sein, die unter dem Namen Spanische Grippe die Welt in Panik versetzte. Zumindest ist seiner der erste offiziell dokumentierte Fall.

Bis zu fünf Prozent der Weltbevölkerung starben an der „Spanischen Grippe“

Im Laufe des Aprils hatte sich das H1N1-Virus im gesamten Mittelwesten der USA ausgebreitet. Die Städte an der Ostküste, von denen aus die Soldaten nach Europa verschifft wurden, waren zunehmend betroffen.

Die französischen Hafenstädte, in denen die amerikanischen Truppen anlandeten, meldeten die ersten Fälle. Mitte April hatte H1N1 die Schützengräben an der Front erreicht. Eine Woche später wurde dem obersten Hygieniker der deutschen Armee, dem Generalarzt Richard Pfeiffer, eine „Blitzkatarrh“-Epidemie von der Westfront gemeldet.

weiterlesen