Der Anti-Corona-App droht ein Glaubenskrieg unter Forschern


In einem offenen Brief warnen knapp 300 Wissenschaftler vor „beispielloser Überwachung“. Jetzt könnte die wichtigste Ressource schwinden, die es für eine App braucht: das Vertrauen der Nutzer.

Simon Hurtz | Süddeutsche Zeitung

Foto: Emmanuele Contini/imago images Droht die große Überwachung durch die Corona-App? Eine junge Frau mit Handy vor einem Graffiti.

Anfang April klang alles nach einer Heldengeschichte. Mehr als 130 Wissenschaftler aus ganz Europa schließen sich zusammen und entwickeln ein idealistisches Projekt. Sie tüfteln Tag und Nacht an der Plattform Pepp-PT, weil sie ein Ziel eint: Sie wollen helfen, Covid-19 zu besiegen – mit Hilfe von Handydaten. „Ich habe noch nie ein derart kooperatives Projekt gesehen, bei dem einzelne Egos keine Rolle spielen“, sagte der Schweizer Epidemiologe Marcel Salathé während einer gemeinsamen Videokonferenz.

Drei Wochen später ist von der Einigkeit nichts mehr übrig. In einem offenen Brief warnen knapp 300 Forscher aus Dutzenden Ländern vor „Lösungen“, die schleichend eine beispiellose Überwachung der Gesellschaft etablieren könnten. Das ursprüngliche Vorhaben wird zwar nirgends namentlich erwähnt, doch die Botschaft ist unmissverständlich: Die einstigen Unterstützer von Pepp-PT, darunter auch Salathé, haben sich losgesagt, weil sie dem Projekt misstrauen.

Vordergründig ringen Wissenschaftler um technische Details und die Art und Weise der öffentlichen Kommunikation.

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