Die USA im Testchaos


Kein Material, fehlerhafte Verfahren: Die amerikanischen Labors mit den Corona-Tests kommen kaum hinterher. Der US-Präsident weist die Schuld von sich, doch er erntet Widerspruch.

Karl Doemens | Frankfurter Rundschau

Funktionierende Testkits sind nicht nur in Los Angeles Mangelware. © Marcio Jose Sanchez/AP/dpa

Die Liste wirkte eindrucksvoll. Auf Wunsch des Präsidenten hatten dessen Mitarbeiter penibel alle 5000 Labors aufgelistet, die in den USA auf das Coronavirus testen. „Wir haben einen tollen Job gemacht“, lobte sich Donald Trump und wedelte vor laufenden Kameras stolz mit dem Papierstapel. Das sehen viele Amerikaner anders, die trotz eindeutiger Symptome von den Notaufnahmen immer noch ohne Test nach Hause geschickt werden. Selbst im Umfeld des Präsidenten wird das Problem inzwischen eingestanden: Die fehlenden Tests könnten zum „Sargnagel“ werden, zitiert die Nachrichtenseite „Politico“ einen namentlich nicht genannten republikanischen Spitzenpolitiker.

Tatsächlich sind die Zahlen ernüchternd. Etwa 500 000 bis 700 000 Tests müssten nach einer Studie der renommierten Harvard-Universität täglich in den USA durchgeführt werden, um die Mehrheit der Infizierten identifizieren und isolieren zu können. Tatsächlich sind es täglich gerade einmal 150 000 – und die Zahl stagniert seit zwei Wochen. Anderthalb Monate nach dem Lockdown sind im Land nach den Zahlen der Johns-Hopkins-Universität rund vier Millionen Menschen überprüft worden. Das ist gut ein Prozent der Bevölkerung. In Deutschland ist die Rate doppelt so hoch.

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