Event Horizon Telescope : Materie fast auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt


Das Event Horizon Telescope präsentiert neue Ergebnisse: Ein Jahr nach der Veröffentlichung des „ersten Bildes“ eines Schwarzen Lochs gibt es nun detaillierte Beobachtungen des Quasar 3C 279.

Jan Hattenbach | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der Quasar 3C 279 in einer künstlerischen Darstellung. Der aktive Galaxienkern enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von etwa einer Milliarde Sonnenmassen. Bild: Eso/M. Kornmesser

Vor einem Jahr präsentierte das Event Horizon Telescope (EHT) das erste Abbild eines Schwarzen Lochs; das damals gezeigte befindet sich in der 50 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie M87. In der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ legen die Forscher nun nach: Aus Archivdaten rekonstruierten sie das bislang schärfste Bild des Quasars 3C 279. Als Quasar wird ein „aktiver Galaxienkern“ bezeichnet, in dem ein Schwarzes Loch unablässig gigantische Mengen von Materie schluckt. Mit fünf Milliarden Lichtjahren ist 3C 279 erheblich weiter entfernt als M87. Die aufgenommenen Bilder zeigen daher nicht den „Schatten“ des Lochs, wie im Falle von M87, sondern zwei gegenläufige, energiereiche Plasmastrahlen, die Materie aus seiner unmittelbaren Nähe ins Weltall schleudern.

Die Materie dieser sogenannten Jets ist der Anziehung des Schwarzen Lochs gerade noch entkommen. Mit dem EHT konnten die Astronomen die Jets von 3C 279 erstmals im Detail abbilden: „Was bislang nur als ein einzelner ,Radiokern‘ erschien, konnten wir in zwei unabhängige Komplexe auflösen“, erklärt Avery Broderick vom Perimeter-Institut für Theoretische Physik in Kanada. „Der Jet in 3C 279 schießt mit mehr als 99,5 Prozent der Lichtgeschwindigkeit auf uns zu.“ Die Astrophysiker wollen herausfinden, wie solche Jets entstehen und wie sie zu ihrer enormen Energie kommen; die Beobachtungen des EHT sollen dabei helfen.

weiterlesen