Niederlande: Gericht gestattet aktive Sterbehilfe bei Demenzkranken


In einer Patientenverfügung hatte eine Frau erklärt, dass sie im Fall einer schweren Demenz sterben will. Als sie an Alzheimer erkrankt, leistet eine Ärztin aktive Sterbehilfe, obwohl die Frau nun ihre Ablehnung kundtut. Für das höchste Gericht der Niederlande war das Vorgehen rechtens.

Marlene Grunert | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Umstrittenes Urteil: Der Hohe Rat in Den Haag Bild: AP

Aktive Sterbehilfe ist in den Niederlanden auch bei schwer dementen Patienten zulässig, sofern diese zuvor eine entsprechende Patientenverfügung formuliert haben. Das hat am Dienstag das höchste Gericht der Niederlande entschieden, der Hohe Rat in Den Haag.

Es geht um den Fall einer 74 Jahre alten Frau, die schriftlich erklärt hatte, dass sie im Fall unerträglichen Leidens sterben wolle, „wenn ich denke, dass die Zeit dafür reif ist“. Kurz darauf erkrankte die Frau schwer an Alzheimer’scher Demenz. Sie äußerte mehrmals den Wunsch, zu sterben, erklärte aber, der richtige Zeitpunkt sei noch nicht gekommen. Auf entsprechende Gespräche mit dem Hausarzt reagierte sie abweisend. Als die Frau in ein Pflegeheim umzog, bat der Ehemann einen Arzt der Einrichtung, sie auf Grundlage der Patientenverfügung zu töten. Die Frau lehnte das bei verschiedenen Gelegenheiten ab, so schlimm sei es noch nicht.

Zwei Ärzte äußerten, die Voraussetzungen für aktive Sterbehilfe seien erfüllt: Das Leiden sei unerträglich und nicht behandelbar, der Todeswunsch freiwillig und durchdacht. Die Familie der Patientin beschloss daraufhin, dass sie getötet werden solle. Ohne deren Wissen verabreichte eine Ärztin der Frau zuerst ein Beruhigungsmittel und dann ein tödliches Medikament.

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