Katholischer Taliban will die Kirchen über das Gesetz stellen

Gottesanbeterin

Der Staat habe sich in der Corona-Krise das Anliegen der Kirchen zu eigen gemacht, findet Michael Böhnke. Doch dabei drohen sie im öffentlichen Bewusstsein überflüssig zu werden – weshalb sie in dieser Lage ihre Rechte zumindest einfordern sollten.

Michael Böhnke | katholisch.de

Das Heil der Seelen muss in der Kirche immer das oberste Gesetz bleiben. So lautet sinngemäß die letzte Norm im Kirchlichen Gesetzbuch. Was der Kodex leicht altertümlich ausdrückt, ist theologisch wohlbegründet. Es geht um das Heil der Menschen. Die Kirche verkündet Gott als einen Freund der Menschen; einen Gott, der das Heil der Menschen will.

Durch die Corona-Krise wird dieses Heil unmittelbar bedroht. Das hat den säkularen Staat auf den Plan gerufen. Noch nie hat sich der moderne Staat das Anliegen der Kirchen so zu eigen gemacht wie in diesen Zeiten. Die durch das Virus akut bedrohte Gesundheit vieler Bürgerinnen und Bürger steht auf dem Spiel. Das Handeln des Staates kennt nur ein Ziel: das pandemisch drohende Unheil abzuwenden. Dieses Ziel scheint alle Mittel zu rechtfertigen. Die Exekutive fordert, dass sich alles und jeder diesem Ziel unterzuordnen habe. Versammlungsverbote, Kontaktsperren, Reise- und Handelsbeschränkungen treffen den Kern des gesellschaftlichen und kirchlichen Lebens. Ob die gebotene Verhältnismäßigkeit der Mittel dabei immer gewahrt worden ist, wird man erst im Nachhinein beurteilen können.  

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