«Die eigentliche Katastrophe ist nicht Covid-19»


In Europa dominiert Sars-CoV-2 die Schlagzeilen. In Afrika indes dürfte nicht das Virus, sondern Kollateralschäden die meisten Todesopfer fordern, erklärt der Malaria-Experte Christian Lengeler im Gespräch mit der NZZ.

Alan Niederer | Neue Zürcher Zeitung

«Wenn Sie aufhören, gegen Malaria anzukämpfen, schnellen die Fallzahlen innerhalb von sechs bis zwölf Monaten hoch», sagt der Malaria-Experte Christian Lengeler. Legnan Koula / EPA

In Europa hat das neue Coronavirus laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schon über 100 000 Todesopfer gefordert, in Afrika sind es weniger als 1000. Trauen Sie den Zahlen?

Nein, die Angaben aus Afrika können nicht stimmen. 1000 Tote und rund 20 000 offiziell gemeldete Infektionen, das ist fast genauso viel wie in der Schweiz, wo es einen Hundertstel so viele Menschen gibt.

Die meisten Erkrankungen werden aus Südafrika, Algerien, Kamerun, Côte d’Ivoire und Ghana gemeldet. Gibt es dafür eine Erklärung?

Es sind die Länder, die überhaupt testen und versuchen, die Fallzahlen korrekt zu erheben. Aber selbst in diesen Ländern, vielleicht mit Ausnahme von Südafrika, sind die Zahlen nicht verlässlich.

Afrika ist ein riesiger Kontinent mit über 50 Ländern. Welche Regionen sind wegen der Corona-Pandemie am meisten gefährdet?

Das ist ohne Statistik schwierig zu sagen. Was aber klar ist: Die Pandemie ist über zwei Wege nach Afrika gekommen. Einerseits über China, mit dem viele afrikanische Länder einen starken Austausch pflegen. Der zweite Weg führte von Italien und Frankreich nach Afrika. Danach hat sich das Virus auf dem Kontinent verbreitet.

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