Europäische Konzerne exportieren Gifte, die hier verboten sind


Die Mittel erhalten in der EU keine Zulassung, doch den Export in alle Welt verhindert das nicht. Die Konzerne sagen, bei richtiger Anwendung könne nichts schiefgehen.

Michael Bauchmüller, Silvia Liebrich | Süddeutsche Zeitung

Foto: Nelson Almeida/AFP. In Deutschland verboten, in Brasilien üblich: Chemische Pflanzenschutzmittel werden mit dem Flugzeug über den Feldern ausgebracht. Das ist riskant, denn der schädliche Sprühnebel kann weit abdriften.

Die Wolke kam zur Mittagszeit. Was in ihr genau drinsteckte, weiß bis heute keiner ganz genau. Als das Flugzeug im Mai vorigen Jahres seine Fracht über den Feldern versprühte, saßen in der benachbarten Dorfschule von Guyraroká im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso gerade 15 Kinder beim Mittagessen. Anschließend kamen mehrere Bewohner des Dorfes, darunter vor allem Kinder, ins Krankenhaus, mit Anzeichen einer Vergiftung. Hunde und Hühner starben.

So steht es in einem Report, den Umweltgruppen aus Brasilien und Südafrika an diesem Donnerstag herausbringen wollen, zusammen mit dem kirchlichen Hilfswerk Misereor, der Rosa-Luxemburg-Stiftung und dem Entwicklungsnetzwerk Inkota. Es geht darin weniger um die verhängnisvollen Folgen von Pestiziden an sich – sondern vielmehr um die Verstrickung deutscher Konzerne in das globale Geschäft mit Ackergiften. Der Vorwurf: Bayer und BASF, zwei der größten Agrarchemie-Konzerne der Welt, verkaufen in Ländern des Südens Wirkstoffe, die in Europa schon lange keine Zukunft mehr haben – weil ihre Genehmigung nie erteilt, nie beantragt oder sogar von EU-Behörden widerrufen wurden. Dahinter stehe ein globales Geschäft mit „Doppelstandards“, heißt es in der Studie, auf Kosten der Bevölkerung: „Während die Gewinne in die USA, nach Europa oder China fließen, bleiben die Menschen vor Ort mit den Gesundheits- und Umweltschäden dauerhaft konfrontiert.“

weiterlesen