Extinction Rebellion: Einblicke und Klarstellungen

Bild von Pete Linforth auf Pixabay

Eine Antwort von Tino Pfaff vom XR-Presseteam auf den TP-Artikel „Inneneinsichten einer ökopopulistischen Sekte“

Tino Pfaff | TELEPOLIS

Telepolis hat Tino Pfaff die Gelegenheit geboten, auf den am 11. April veröffentlichten Artikel "Inneneinsichten einer ökopopulistischen Sekte" zu antworten, in dem ein ehemaliger Aktivist seine Erfahrungen beschreibt.

Vorbemerkung: Der Text geht weder auf Äußerungen zu genannten Einzelpersonen, noch auf die Darstellung der OG Leipzig ein. Im Fokus stehen nur die sachlichen Anfragen. Für den Inhalt bin ich allein verantwortlich.

Wie organisiert sich XR und wer macht mit?

Kritikpunkte: XR sei weder radikal noch basisdemokratisch. XR basiere auf unausgesprochenen Hierarchien. XR sei mehrheitlich „weiß“ und in Deutschland geboren.

Ist XR Radikal?

XR ist radikal und auch wieder nicht: In der Bewegungen gibt es Menschen, die sich an Gebäuden oder Gegenständen festketten und -kleben oder Sitzblockaden bis zur Ingewahrsamnahme durchführen. Aber es gibt auch Rebell*innen, die „nur“ an angemeldeten Demonstrationen und Sitzblockaden teilnehmen, die nach Aufforderungen aufgelöst werden. Es gibt also radikale Aktionen, solche die zum „gewöhnlichen“ Protest gehören und jene, die auch familien- und kinderfreundlich sind. Wichtig ist: Es gibt bei XR keinen Gruppenzwang. Jede/r entscheidet selbst warum und weshalb mensch sich an einer Aktion beteiligt.

Ist XR basisdemokratisch und gibt es weder Wahlen noch Rechenschaftspflicht?

XR ist nicht basisdemokratisch organisiert. Die Bewegung organisiert sich durch ein holo- und soziokratisches System. Dies ist u.a. durch den Versuch geprägt, auf Basis von Selbstverwaltung, Transparenz, führungslosen Strukturen, niederschwelligen Beteiligungsmöglichkeiten, einer Kommunikation der Gewaltfreiheit und einem festen Regelwerk zusammenzuarbeiten.

Gibt es in XR hierarchische Strukturen?

Das self-organizing-system bietet die Grundlage, für ein möglichst gleichberechtigtes Agieren in der Bewegung. Die Rebell*innen sind bestrebt einander zu vertrauen und versuchen, sich von präventiven Misstrauens-Strukturen zu lösen. In vielen Bereichen funktioniert dies sehr gut. Wie überall gibt es auch immer mal wieder das Problem, dass unbewusst Wissens- und Erfahrungshierarchien entstehen. Ein kritischer Blick und stetige Neuausrichtungen sind Teil eines reflexiven Miteinanders. Dem muss sich jede Bewegung stellen.

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