Mehr Apokalypse wagen


Während die Klimakrise außer Kontrolle zu geraten droht, verabschiedet sich die Bundesregierung von jeglicher nennenswerten Klimapolitik auf europäischer Ebene

Tomasz Konicz | TELEPOLIS

Ist es noch eine Dürre – oder die „neue Normalität“ der manifesten Klimakrise? Weite Teile Europas leiden schon im Frühjahr unter einer schweren Trockenheit, die Erinnerungen wachruft an die Dürreperioden der vergangenen Jahre. Sollte der diesjährige Trend sich fortsetzen, wäre 2020 das dritte europäische Dürrejahr in Folge.

Besonders stark betroffen sind Ostdeutschland, Tschechien und Polen, wo weite Landesteile unter einer extremen Trockenheit leiden und inzwischen landwirtschaftliche Nutzflächen von Zerstörung bedroht sind. Polens Bischöfe riefen unlängst zu Gebeten für baldigen Regen auf, da die Trockenheit gerade in der Wachstumsphase die diesjährige Ernte und Tausende von Existenzen bedroht. „Je weiter man sich nach Osten bewegt“, desto trockener wird es“, erklärte auch ein Agrarhändler gegenüber der Fachzeitschrift Topagrar.

Im Januar und Februar wurden in Ostdeutschland noch normale Niederschläge verzeichnet, doch seit März habe es kaum noch geregnet, hieß es weiter. Der Wasserstand der Elbe ist am 23. April auf 90 Zentimeter gefallen, was weniger als die Hälfte des üblichen Durchschnittswertes von rund zwei Metern ausmacht. Dramatisch eingebrochen ist der Wasserstand der Weichsel in Zentralpolen: In Warschau wurden gerade mal 53 Zentimeter gemessen.

Von der anhaltenden Dürre sind – in unterschiedlicher Intensität – nahezu alle Regionen der Bundesrepublik betroffen, da es in Zentraleuropa seit Mitte März keine substanziellen Niederschläge gegeben hat. Bislang sind im April nur fünf Prozent der üblichen Niederschlagsmenge verzeichnet worden. In Wechselwirkung mit den starken, trockenen Winden sind die oberen Bodenschichten oft bis zu einer Tiefe von 20 Zentimetern ausgetrocknet, während die tieferen Bodenschichten in vielen Regionen noch die Feuchtigkeit des regenreicheren Winters halten können: „Da haben wir Glück, dass der Winter in diesem Jahr feuchter war als normal, vor allem der Februar“, erklärte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes gegenüber dem Spiegel-Online.

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