Muslime sind in Burma unter Druck: Ein Imam kämpft mit dem Koran gegen buddhistischen Fundamentalismus


Die systematische Unterdrückung von Muslimen hat im vorwiegend buddhistischen Burma eine lange Geschichte. Der Imam und Friedensaktivist U Aye Lwin kritisiert die Geiselnahme von Religion durch die Politik und kämpft für den interreligiösen Dialog.

Samuel Schlaefli | Neue Zürcher Zeitung

Er kämpft gegen Diskriminierung und religiösen Fanatismus: Der burmesische Friedensaktivist Al Haj U Aye Lwin. Kamila Stepien / Rea / Laif

Rund 200 Gläubige knien an diesem Freitagmittag auf farbigen Teppichen im Gebetsraum der Bahadur-Shah-Zafar-Moschee in Rangun. Vorne im goldenen Mihrab steht der Imam U Aye Lwin. Er spricht laut und klar und verleiht den wichtigsten Passagen mit Gesten Nachdruck. Zum Beispiel, wenn er vom Dialog zwischen den Religionen spricht, dem Respekt gegenüber Andersgläubigen und dem gemeinsamen Boden, den sich alle Menschen unabhängig von ihrer Religion teilen. Khalifah Al Haj U Aye Lwin, wie sie ihn hier respektvoll nennen, ist eine lokale Bekanntheit. Er gehört zu den besten Kennern der muslimischen Gemeinde Burmas. Als Lehrer, Berater oder Experte in den Medien vertritt er humanistische Ideale und kämpft gegen religiösen Extremismus.

Mantras und bewaffnete Milizen

Burma ist ein Paradox: Das Land ist durch und durch vom Buddhismus geprägt. Offiziell sind 88 Prozent der Bevölkerung Buddhisten. Tausende goldene Pagoden und noch viel mehr Buddhastatuen künden von der tiefen Religiosität der Bevölkerung. Wer sich abends in Rangun in einer der unzähligen Pagoden unter die Gläubigen mischt, die meditierend Mantras murmeln, in kleinen Schreinen Räucherstäbchen anzünden oder Buddhastatuen liebevoll mit Wasser begiessen, fühlt sich in Ruhe und Frieden gebettet. Das Land zwischen China und Indien hatte jahrzehntelang einen tadellosen Ruf der Gastfreundschaft.

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