Frankreich: Gewaltausschreitungen in den französischen Trabantenstädten


Polizeigewalt, Viertelgewalt und Hunger. Der Staat schafft es nicht, die schlechter gestellten Haushalte mit dem Nötigsten zu versorgen

Thomas Pany | TELEPOLIS

Es gab Gewaltausschreitungen in den französischen Trabantenstädten. Die Liste der Orte, wo Trouble gemeldet wurde, wird sehr lang, wenn man unterschiedliche Berichte heranzieht. Das öffentliche Interesse daran verschwindet allerdings, sobald nichts Spektakuläres mehr gemeldet wird. Jetzt heißt es, dass sich die Lage wieder beruhigt habe, die Vorfälle seien geringfügig gewesen, „mineur“.

Natürlich ist Innenminister Castaner daran gelegen, dass sich aus den Vorfällen in den Banlieues, im Großraum Paris und in der Peripherie von Toulouse keine zusätzlichen Problemherde entwickeln. So kam er zwar nicht umhin, sich zu den „kleineren Unruhen“ zu äußern, das immerhin schon, wichtig war ihm dabei, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass die republikanische Ordnung nicht in Gefahr sei.

200.000 Kontrollen in Seine-Sainte-Denis

Über 200.000 Polizeikontrollen (pardon, liebe Leser hier stand zuvor irrtümlich „Polizisten“) allein im Département Seine-Sainte-Denis („93“) die „republikanische Ordnung aufrechterhalten“, mehr als doppelt so viele wie im Landesdurchschnitt, erklärte Castaner. Nun führt genau das zu einem Problem, das regelmäßig für Zündstoff in den quartiers sorgt. Denn das Verhalten und das Vorgehen der Polizei steht nicht zufällig meist am Anfang einer Kette von Ereignissen, die sich zu Unruhen auswachsen.

So auch diesmal. Ein Motorradfahrer wurde in der Nacht des 19. April in Villeneuve-la-Garenne (Hauts-de-Seine) schwer an seinem rechten Bein verletzt, weil er damit gegen eine plötzlich geöffnete Tür eines zivilen Polizeiautos prallte. Die Darstellungen des Vorfalls unterscheiden sich je nach Perspektive. Für die Polizei war es ein Unfall bei einer Kontrolle, die aus ihrer Sicht völlig gerechtfertigt war, weil der Mann zu schnell fuhr, ohne Helm und er war, wie Medien später nachtrugen, polizeibekannt.

„Absichtliche Polizeigewalt“

Als er das Fahrzeug der Zivilstreife an einer roten Ampel passieren wollte, wurde die Türe geöffnet. Danach kam es zu ersten Streitigkeiten mit einer Gruppe von 50 Personen, die sich am Unfallort einfanden. Der Mann wurde vom Notarzt in eine Intensivstation gebracht. Aus dem Krankenhaus übermittelte er ein Video, in dem er zur Ruhe aufrief. Es sieht so aus, als ob er bleibenden Schäden an seinem Bein davonträgt.

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