Das Coronavirus ist im Fernsehen präsent, also existiert es

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Mit welchem Thema waren vor einigen Wochen die Nachrichten voll? Greta Thunberg. Sie muss nun dem Coronavirus weichen. Alles dreht sich um ihn – den Virus. Es gibt derzeit kein anderes Spitzenthema der Medien. Die Welt wird vom Coronavirus, den Virologen (von denen wir bisher kaum etwas gehört hatten) und den „Coronapolitikern“ regiert.

Klaus Weinert | TELEPOLIS

Die Fokussierung auf diese Gegenwart lässt alles andere fast verschwinden. Der Oberbürgermeister von Stuttgart, Fritz Kuhn (Die Grünen), hat vor Jahren einmal gesagt: Wer im Fernsehen nicht präsent ist, der existiert nicht. Der Coronavirus ist im Fernsehen präsent, also existiert er. Anderes verblasst.

Uns fesseln nur noch die Coronainfizierten und die Toten dieses Virus‘. Andere Toten sind derzeit weniger in unserem Blickfeld. Wie viele Suizide könnte der Coronavirus verursachen durch Arbeitslosigkeit (was Psychiater befürchten), hoffnungslose soziale Situationen einzelner Menschen? 100, 1000, mehr? Ist es erlaubt, nach diesen Toten zu fragen? Es gibt übrigens zirka 10.000 Suizide pro Jahr, nur in Deutschland, 27 pro Tag. Kümmern wir uns um sie?

Was aus dem Blick fällt

Es ist typisch für unsere Epoche, dass die Gegenwart immer präsenter wird. Daher fallen auch die geschichtlichen Konsequenzen unseres menschlichen Tuns aus unserem Blickfeld. Sie tauchen erst wieder als Gegenwart auf, obwohl ihre Entwicklung in der Gegenwart der Vergangenheit begann. So hat das Robert-Koch-Institut schon 2012 auf eine Epidemie bzw. Pandemie großen Ausmaßes hingewiesen. Darauf hat die Koalition aus CDU/CSU und SPD nicht reagiert, wie die Regierungen Merkel selten prospektive Politik gemacht haben.

Und wer denkt jetzt an den Fakt, dass jedes Jahr bis zu 120.000 Menschen nur in Deutschland an raucherbedingtem Krebs sterben, mehr als 330 pro Tag? Keiner würde auf die Idee kommen, den Menschen das Rauchen zu verbieten, um eben diese Menschen vor dem Tod zu retten. Sehen wir die Särge dieser Menschen? Sie fallen nicht auf in einer betriebsamen, auf Hochtouren laufenden Wirtschaft. Erst der Stillstand zeigt uns die Särge, schlichtweg deshalb, weil sie nicht abtransportiert werden können, wenn alles stillsteht.

Vor zwei Jahren sind täglich 110 Menschen an der starken Grippewelle gestorben, insgesamt 25000, so schätzte es das Robert Koch-Institut. Wo waren die täglichen Nachrichten über Infizierte und Tote? Erklärungen dafür? Bisher nicht. Im Übrigen gibt es immer deutlich mehr Infizierte als Tote, was uns eigentlich der gesunde Menschenverstand sagt. Also warum die täglichen Infiziertenzahlen im Fernsehen? Zu welchem Zweck, mit welcher Absicht? Warten wir darauf, bis endlich die Zahl kommt, dass 60 bis 70 Prozent infiziert und danach immun sind, weil dann die Herdenimmunität erreicht würde, also zirka 50 Millionen Menschen?

In einigen Jahren, so schätzen Mediziner, wird die Hälfte der Menschheit an Adipositas leiden. Herz- und Kreislauferkrankungen sind die Folge, Diabetes und andere Krankheiten, auch Krebs, und viele Tote. Wer verbietet diesen Menschen das ungesunde und das zu viele Essen? Wer schränkt zum Beispiel die Zuckermengen ein, die in vielen Lebensmitteln sind (zu viel Zucker schadet unserer Gesundheit erheblich!); die meisten Säfte sind im Grunde Zuckerwasser (steht übrigens auf dem Etikett). Ab wann dürfen wir daher Freiheiten der Menschen einschränken, zum Beispiel die Autonomie, sich selbst zu gefährden, durch das Rauchen, durch zu viel Alkohol (70.000 Alkoholtote soll es jährlich in Deutschland geben, 190 pro Tag)? Wer kämpft in der Politik, um diese Toten zu retten?

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