Wer den „Seuchenkordon“ umging, wurde erschossen

1720: Die Pest in Marseille. Gemeinfrei

Die österreichischen Grenztruppen zum Osmanischen Reich waren in früheren Jahrhunderten die höchste Gesundheitsinstanz. Zum Schutz vor Beulenpest, Cholera oder Fleckfieber wurden Reisende prophylaktisch für drei Wochen in Quarantäne geschickt.

Erich Witzmann | Die Presse

Angst und vorausschauende Prävention vor Seuchen und ins Land eingeschleppte Krankheiten: „Wenn nötig, dann mit Quarantänebestimmungen“, sagt Daniela Angetter. Die Historikerin am Austrian Center for Digital Humanities and Cultural Heritage der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) münzt diese Aussage nicht auf die aktuelle Covid-19-Pandemie, sie nimmt vielmehr Bezug auf die schon vor Jahrhunderten praktizierten Quarantäne- und Präventionsmaßnahmen in den Habsburgerländern.

Die erste Bekanntschaft mit eingeschleppten Krankheiten machte die Bevölkerung in der Zeit der Kreuzzüge. Als vom Ende des 11. bis zum 13. Jahrhunderts die abendländischen Krieger mit bis dato unbekannten Leiden, Hautausschlägen und verschiedenen Erkrankungen zurückkehrten, reagierte man mit einer zeitlich begrenzten Absonderung der offensichtlich infizierten Kreuzritter. Ab dem 13. Jahrhundert erwiesen sich die in vielen Städten und Orten von privaten Gönnern und kirchlichen Stiftungen errichteten Bürgerspitäler als geeignete Quarantänestationen. Diese Bürgerspitäler waren nicht Spitäler im heutigen Sinn, sie waren vielmehr Zufluchtsstätte für verarmte, chronisch kranke und sieche Personen und übernahmen auch die Aufgabe der Seuchenhäuser.

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