Fremde DNA an Amris Pistole

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Die Spur führt ins persönliche Umfeld des angeblichen Attentäters vom Berliner Breitscheidplatz. Die zentralen Anschlagsermittlungen werfen immer mehr Fragen auf

Thomas Moser | TELEPOLIS

Amris Video-Bekenntnis zum IS. Bild: quapan/CC BY-2.0

Wer waren die Beteiligten am Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin? Ein Spurenfund wirft die nächste Frage auf, die von der offiziellen Version des Alleintäters Amri abweicht.

An der Pistole, die Anis Amri, der angebliche Attentäter vom Breitscheidplatz, in Italien dabei hatte, als er ums Leben kam, sicherten Kriminaltechniker die DNA-Spur eines Mannes, bei dem Amri bis zum Anschlagstag vom 19. Dezember 2016 gewohnt hatte. Das Bundeskriminalamt (BKA) weiß das seit über zwei Jahren. Gegenüber den parlamentarischen Untersuchungsausschüssen wurde das Ergebnis bisher nicht entsprechend kommuniziert.

Mit der Pistole der Marke Erma war in Berlin auch der polnische Speditionsfahrer Lukasz Urban erschossen worden. Seine DNA wurde ebenfalls auf der Waffe gefunden. In welcher Form ist unklar, möglicherweise als Blutspritzer. Ein ballistischer Vergleich der Geschosshülsen belegt ebenfalls die Identität der Pistole, mit der Amri am 23. Dezember in Italien auf Polizisten feuerte und dabei selber erschossen wurde.

Die bisher unbekannte DNA an der Erma-Pistole gehört Kamel A., einem 50-jährigen Tunesier, der seit knapp 30 Jahren in Deutschland lebt. Amri wohnte bei ihm ab Anfang November 2016 bis zum Tattag am 19. Dezember 2016. In der Wohnung in Berlin-Wedding lebten außerdem der Tunesier Khaled A. und der libysche Polizeioffizier Salah A. In welcher Form Kamel A.s DNA an der Pistole gesichert wurde, ist nicht bekannt. Ebenso, wie die zentralen Ermittler des BKA die Spur weiterverfolgten.

Kamel A. ist in der nominellen Islamistenszene kein Unbekannter. Von Polizeimaßnahmen erfasst wurde er spätestens im November 2015. Als jemand, der immer wieder von Berlin nach Tunesien fuhr, betätigte er sich als Kurier diverser Lieferungen. Im November 2015 brachte er im Auftrag des Vaters von Bilel Ben Ammar einen Koffer nach Berlin. Ben Ammar war ein enger Freund Amris und galt nach dem Anschlag als zweiter Hauptverdächtiger. Obwohl gegen ihn ermittelt wurde und er in Untersuchungshaft saß, wurde er auf Betreiben des BKA und unter der staatlichen Patronage von Bundesinnen- und Bundesjustizministerium nach Tunesien abgeschoben.

Eine gescheiterte Aktion hinterlässt Fragen

Im November 2015 ermittelten die Generalstaatsanwaltschaft von Berlin und das Landeskriminalamt (LKA) gegen Ben Ammar. Weil sie die Information erhalten hatten, es werde Sprengstoff an ihn nach Berlin geliefert, wurden Ende November 2015 umfangreiche Razzien durchgeführt – in einer Moschee, in Wohnungen und Fahrzeugen.

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