In der Coronakrise: Kirche im Abseits


Während über die Öffnung von Spielplätzen und Geschäften diskutiert wird, bleiben Religionsgemeinschaften bei der Debatte außen vor. Dabei sind Kirchen nicht nur als Gotteshäuser, sondern auch als Träger von Krankenhäusern, Kitas und Pflegeheimen direkt betroffen.

Christian Wolff | vorwärts

In der Krise erweist sich, wie stark, präsent, gefragt Institutionen sind. Während in Deutschland sich die staatlichen Organe in den vergangenen Wochen durchaus als handlungsfähig erwiesen haben, legt die Coronakrise schonungslos offen: Die Institution Kirche spielt kaum eine Rolle. Ihr Beitrag scheint weder gefragt noch wird er signifikant abgefragt – und das, obwohl es in dieser Krise um Grundthemen des Glaubens, Leben und Tod, geht, das Grundrecht der Religionsfreiheit massiv eingeschränkt wird und die Kirche selbst Trägerin von Krankenhäusern, Pflegeheimen und ambulanter Krankenpflegeeinrichtungen ist, also unmittelbar an der Bewältigung der Krise beteiligt ist.

Selbst wenn ich berücksichtige, dass sich Medien insgesamt nur noch selten mit religiösen Themen beschäftigen und der Bedeutungsverlust der Kirche weiter voranschreitet – der Grund dafür, dass in der Coronakrise Kirche kein Thema ist, liegt vor allem bei der Kirche (hier die evangelische Kirche und speziell ihre Leitungsorgane) selbst. Bis heute hat die Kirche als Institution keine erkennbare Positionierung in der Coronakrise eingenommen. Vielmehr entstand der Eindruck, dass sich die Kirche seit Anfang März den staatlichen Anordnungen mehr oder weniger bedingungslos beugt. Das gilt insbesondere für das Verbot von Gottesdiensten – ein einzigartiger Vorgang. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich halte die seit Anfang März getroffenen Maßnahmen der Bundes- und Landesregierung(en), den gesamtgesellschaftlichen Shutdown, vom Grundsatz für richtig. Allerdings dürfen Eingriffe in die Grundrechte der Verfassung nur eine ultima ratio, eine letzte Möglichkeit sein.

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