Homophobie von Erdoğans Gnaden


Der türkische Präsident stärkt einem homophoben Kleriker den Rücken. Der macht indirekt Homosexuelle für die Corona-Pandemie verantwortlich.

Jürgen Gottschlich | taz

Erdoğan und der Prediger Ali Erbaş bei der Eröffnung einer Moschee in Istanbul 2019 Foto: Murad Sezer/reuters

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat sich am Montag hinter den Chef der obersten Religionsbehörde gestellt, der zur Eröffnung des Fastenmonats Ramadan mit einer Hass-Predigt gegen Schwule und Lesben für Aufsehen gesorgt hatte.

Homosexualität, Unzucht, das Zusammenleben von Mann und Frau ohne verheiratet zu sein – all das führe zur Verrottung der Gesellschaft und letztlich auch zu Krankheiten und Seuchen, hatte Ali Erbaş in einer geradezu mittelalterlich anmutenden Hass-Predigt am Freitag behauptet. Indirekt machte er damit Schwule und Lesben für die Coronaepidemie in der Türkei verantwortlich. Als Vorsitzender der staatlichen Religionsbehörde Dianet ist Erbaş der oberste Islam-Vertreter in der Türkei.

In der Hauptmoschee von Ankara sprach Erbaş – vor leeren Rängen, aber in diverse Fernsehkamaras – über die schlimmen Folgen von Homosexualität und Unzucht und forderte alle Muslime im Land auf, sich zusammenzutun und ihre Mitmenschen vor solchen Versuchungen des Teufels zu schützen.

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