Großes Unbehagen in der Kultur


Die Filmemacher Michael Moore und Jeff Gibbs veröffentlichen anlässlich des 50. World Earth Days mit „Planet of the Humans“ einen filmischen Horrortrip, der deutlich die Schwierigkeiten der „grünen“ Energiewende aufzeigt

Frank Jödicke | TELEPOLIS

Bild: Planet of the Humans

Es ist Ende April des Jahres 2020 in Wien. Es hat seit Wochen nicht oder nur sehr wenig geregnet. Eine staubtrockene Luft hängt zwischen den Häusern. Menschen mit Allergien verlassen ihre Zimmer kaum und auch wer sonst keinen „Heuschnupfen“ hat, spürt die Unzahl an Pollen, die nicht aus der Luft gewaschen werden. In Niederösterreich gab es bereits ausgedehnte Waldbrände, die Gefahrenwarnstufe ist hoch. Die Böden sind tief ausgetrocknet und Landwirte befürchten Missernten. Dank Corona beschäftigt sich die Öffentlichkeit kaum mit der katastrophalen Umweltsituation unterhalb der Pandemie-Katastrophe. Um das Physical Distancing zu erleichtern hob die Stadt Wien zeitweilig die Parkzonen auf und der Automobilverkehr in der Stadt brummt.

Szenenwechsel. Michael Moore sitzt in seinem New Yorker Appartement. Er freut sich darüber, dass die Straßen leer sind, weil erstaunlich viele der sonst so rebellischen New Yorker sich an die Ausgangsbeschränkungen halten. Moore ist in die „Late Show“ von Stephen Colbert gekommen. Während der Corona-Pandemie bedeutet dies, er wird per Videokonferenz zugeschaltet. So geht Fernsehen in der Krise.

Colbert möchte wissen, um was es in dem Film „Planet of the Humans“ geht und Moore ist es etwas unangenehm, das Thema zu umreißen, denn es solle nicht zu sehr nach Weltuntergang klingen. Es ginge ihm schließlich auch um Hoffnung. Zum Abschluss singt er den etwas kitschigen Song der US-Country-Sängerin Mary Chapin Carpenter „Why Shouldn’t We“: „God is all around/ Buddha’s at the gate/ Allah hears your prayers/ It’s not too late.“ Wer sich zuvor noch nicht gefürchtet hat, dem wird durch diese paradoxe Intention Moores das Fürchten gelehrt.

The world according to Moore

Der ideale Filmemacher sei, laut Federico Fellini, eine Mischung aus Krawattenverkäufer und Heiligem. Michael Moore verkörpert diese idealtypisch. Seine revolutionäre Heiligkeit gewann er durch die richtige Vorhersage von Trumps Wahlsieg im Jahr 2016. Er hatte insbesondere die Strahlkraft Trumps in Moores Heimatstaat Michigan gut erkannt. Die Frage ist, ob Trumps Erfolg zunächst nicht grundsätzlich leicht zu durchschauen ist.

Die besondere Verwobenheit von Trump als Medienstar, der der Medienmaschinerie regelmäßig die benötigten Sensatiönchen liefert, ist vielen aufgefallen. Die Schwierigkeit liegt nur darin, dass in einer Mediendemokratie kaum ein Kraut gegen das Gebaren Trumps gewachsen zu sein scheint. An diesem Phänomen einer gewissen Unbesiegbarkeit innerhalb der bestehenden medialen Spielregeln beißen sich die Kommentatoren regelmäßig die Zähne aus.

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